Karriere
Die Sandwich-Generation

Sie haben nicht nur Kinder, sondern pflegen auch ältere Angehörige - und gehen arbeiten. Wie ist das zu schaffen? Nur mit Hilfe familienfreundlicher Unternehmen.

Nicht nur zum Spielen und Lernen bringen die Eltern von Lia Hölscher ihre Einjährige mittags in die Kinderkrippe. Die Kleine hält mit ihren 37 Spielgefährten nebenbei noch als Forschungsobjekt her. Denn sie alle besuchen die Krippe der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim (HAWK), wo sich der Nachwuchs von Studenten und Uni-Mitarbeitern tummelt.

Insgesamt acht Prozent der rund 5000 HAWK-Studenten haben bereits Kinder - eine hohe Quote. Weil die meisten der hier Studierenden eine abgeschlossene Berufsausbildung hinter sich haben, ist ihr Durchschnittsalter höher als an anderen Universitäten. Deshalb diente die HAWK mit ihren Standorten in Hildesheim, Holzminden und Göttingen auch als eine von vier Modell-Hochschulen, die zusammen mit der Initiative "Beruf und Familie" der Hertie-Stiftung das "Audit familiengerechte Hochschule" entwickelt haben.

Denn so wie eine Firma, die das Siegel "Familienfreundlicher Arbeitgeber" erhalten will, muss auch eine Uni beweisen, dass sie Mütter und Väter dabei unterstützt, ihr Familienleben und ihren Job unter einen Hut zu bekommen. Dazu haben Berater der "Beruf und Familie"-Initiative gemeinsam mit der HAWK-Leitung, Studenten und Uni-Mitarbeitern zuerst den Status quo ermittelt, dann Verbesserungsmaßnahmen erarbeitet und die Umsetzung vereinbart. Ein besonders wichtiger Punkt war die Kinderkrippe.

Deutschlandweit haben inzwischen fast 100 Hochschulen diesem Modell nachgeeifert. Trotzdem bleibt die Hildesheimer Krippe außergewöhnlich, "denn wir haben unser Krippenprojekt gleich so angelegt, dass es Praxis und Wissenschaft verbindet", sagt Ingrid Haasper. Sie ist auch die Projektleiterin "familiengerechte Hochschule" an der HAWK. Schon beim Bau und der Gestaltung waren Studenten und Professoren beteiligt. Und bei der Betreuung von Lia und den anderen Knirpsen engagieren sich Praktikanten des Studiengangs "Bildung und Erziehung im Kindesalter".

Denn die Kleinen, die neun Monate bis drei Jahre alt sind, werden nach dem sogenannten phänomenographischen Ansatz betreut. Das ist ein pädagogisches Konzept aus Schweden, bei dem frühkindliche Bildung gefördert wird, ohne die Kinder nur mit Fakten zu füttern. "Die Kinder sollen sich selbst Zusammenhänge erschließen und ihren Interessen folgen", sagt Krippenleiterin Nicole Malek. Aufgabe der Erzieher ist es, die notwendigen Bedingungen zu schaffen. "Wir beobachten die Kinder viel und stellen ihnen passende Materialien zur Verfügung", erklärt Malek. Das skandinavische Konzept wird erstmals auf Krippenkinder angewendet und die Beobachtungen von den Hildesheimer Wissenschaftlern ausgewertet.

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