Karriereplanung
Abflug aus der Komfortzone

Jeder Job kann jeden Tag zu Ende sein. Oft ist es besser, selbst über seine Zukunft zu entscheiden, ehe es andere tun. Manager müssen sich darauf gefasst machen: Etliche Unternehmen werden in den nächsten Jahren ihren Führungskräfte-Pool einer Inventur unterziehen.

HB DÜSSELDORF. Für Steffen Weidemann war es der Befreiungsschlag. Nach elf Jahren als Topmanager in der Hotellerie kehrte der Ex-Vorstand von Dorint der Tourismusbranche den Rücken. Immer wieder nur über Hotelbetten nachzudenken, davon hatte der Diplom-Kaufmann einfach genug. Als er dann das neue Markenkonzept nach dem Zusammenschluss von Dorint-Hotels mit dem Hotelleriekonzern Accor im Sommer 2004 erstellt hatte, entschied sich der 46-Jährige, als Berater zu Roland Berger zu wechseln.

Seit drei Monaten hilft Wiedemann nun Unternehmen, ihr Markenimage aufzupolieren. „An meinem neuen Job als Berater gefällt mir vor allem die Vielfalt“, lobt er. Doch auch was seine Karrierechancen angeht, fühlt er sich für die Zukunft besser aufgestellt. „Als Mittvierziger konnte ich noch gut die Branche wechseln. Mit 55 hätte das möglicherweise nicht mehr so gut funktioniert“, glaubt der Familienvater.

Wie Wiedemann fragen sich zurzeit viele Manager, ob sie in der richtigen Branche, dem richtigen Unternehmen und in der richtigen Position sitzen – um auch noch die nächsten Jahre für den Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben. Das Gefühl, jederzeit seinen hart erkämpften Posten durch eine Fusion, Outsourcing, Restrukturierung oder gar Pleite verlieren zu können, bringt selbst Erfolgsverwöhnte ins Grübeln. „Sie wissen, dass Leistung, Einsatzbereitschaft und Verlässlichkeit nicht mehr belohnt werden können von Unternehmen, die es morgen schon gar nicht mehr gibt“, meint Tiemo Kracht, Deutschland-Chef der Personalberatung Heidrick & Struggles.

Was aber tun, um karrieretechnisch nicht in der Sackgasse zu landen? „Wer langfristig Chancen auf gute Jobs haben will, muss möglichst lange möglichst breit aufgestellt sein“, rät Andreas Halin, Personalberater bei Spencer Stuart. Konkret heißt das – jede Möglichkeit zur Jobrotation nutzen. Beim Reifenhersteller Michelin etwa wechseln selbst Abteilungsleiter aus dem Vertrieb ins Personalwesen, um möglichst viele Bereiche kennen zu lernen. Dahinter steht die Idee: Gute Leute bringen überall gute Ergebnisse. In global orientierten Firmen müssen Manager vor allem Generalisten sein, die die Nöte anderer Abteilungen und Kulturen verstehen.

Das Problem: Deutschland ist kein Land, in dem sich Jobrotation wirklich durchgesetzt hat. Zu lange galt: Wer im Vertrieb anfängt, bleibt auch dort und arbeitet sich nach oben. Doch Manager müssen sich darauf gefasst machen: Etliche Unternehmen werden in den nächsten Jahren ihren Führungskräfte-Pool einer Inventur unterziehen, um geeignete Leute für den globalen Wettbewerb vorhalten zu können.

Genauso sollten auch Führungskräfte ihren Arbeitgeber auf den Prüfstand stellen: „Jeder muss heute regelmäßig für sich abscannen: Kann ich im meinem Unternehmen und in meiner Position dort die Fähigkeiten erlangen, die in der Branche zukünftig entscheidend sind?“, betont Halin. Sein Rat: Wenn ein Unternehmen schon heute etwa bei der Produktionstechnik nicht auf dem neuesten Stand ist, dann muss man Konsequenzen ziehen und gehen.

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