Karrieretipps
Macht ansparen für später

Chef ist Chef. Wer Karriere machen will, sollte seinen Vorgesetzten unterstützen und ihm bei jeder Gelegenheit den Rücken stärken. Egal, wie unfähig er auch ist. Auch gilt es, gewisse Tabus nicht zu brechen – sonst droht Ungemach.

DÜSSELDORF. Ihr Chef ist eine Flasche? Sie haben die Nase voll davon, auf einen fachlich unfähigen und entscheidungsschwachen Vorgesetzten zu hören? Dann sollten Sie schleunigst aufhören zu jammern und alles dafür tun, ihm den Rücken zu stärken. Was sich anhört wie eine moderne Form der Selbstkasteiung, gehört zu den ungeschriebenen Gesetzen am Arbeitsplatz. Und die können Manager gezielt nutzen, um an Macht und Einfluss in ihrem Unternehmen zu gewinnen.

„Statt schlecht über seinen überforderten Chef zu sprechen oder sogar Schadenfreude zu empfinden, wenn er Probleme bekommt, ist es karrierefördernder, seine Schwächen auszugleichen“, rät Jürgen Lürssen, Professor für Marketing an der Universität Lüneburg und Autor von „Die heimlichen Spielregeln der Karriere“ (Band 2 der Handelsblatt-Sonderedition „Wissen macht Karriere“, Campus Verlag, 2006).

Der Grund: „Ob es einem gefällt oder nicht – der direkte Vorgesetzte ist stets für jeden Mitarbeiter die wichtigste Person im ganzen Unternehmen – auch und vor allem in Hinblick auf die eigene Karriere“, so Lürssen. „Denn egal, wie überfordert, delegationsunfähig, machtlos oder tyrannisch ein Chef sein mag – ob er in der Chefetage gut oder schlecht über einen spricht, macht sich spätestens bei der nächsten Beförderungsrunde bemerkbar.“

Lürssens Überzeugung: „Wer sich selbst für einen Führungsposten empfehlen will, muss im Alltag beweisen, dass er sachliche Ziele in der Organisation durchsetzen kann und Vorgesetzte, Gleichgestellte wie Mitarbeiter dafür zu gewinnen weiß.“ Unabhängig von der Hierarchieebene und unabhängig davon, ob der unmittelbare Vorgesetzte ein schwieriger Zeitgenosse ist oder eine lahme Ente. „Was beim Karriereaufstieg zählt, ist die Fähigkeit, politisch zu denken und zu handeln und der Wille, Macht auszuüben“, bestätigt auch Jens Weidner, Managementrainer und Autor des Bestsellers „Die Peperoni-Strategie“. Er beruft sich auf prominente Vordenker. Für den Soziologen Max Weber bedeutete Macht „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen.“

Mit anderen Worten: Jedesmal wenn jemand das Verhalten eines anderen mit seinen Absichten beeinflusst, übt er Macht aus. Und die Machtfülle einer Person wächst graduell. Macht lässt sich ansammeln und für später speichern. Wie beim Sparkonto: Durch erfolgreiche Aktionen werden kleinere oder größere Machtbeträge auf das Machtkonto eingezahlt. Der angesammelte Einfluss kann dann in Entscheidungskämpfen eingesetzt werden. Und deshalb lohnt es sich auch für Karriereorientierte, selbst schwierige Vorgesetzte verstehen zu lernen.

Seite 1:

Macht ansparen für später

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%