Kehrseite der Millionengehälter
Der Chefsessel als Schleudersitz

Es ist offenbar die Kehrseite der vielgescholtenen Millionengehälter: Der Chefsessel wird für deutsche Topmanager immer häufiger zum Schleudersitz. Die Liste der Vorstandsvorsitzenden großer Konzerne, die in diesem Jahr mehr oder weniger freiwillig ihre Posten räumen mussten, ist lang und klangvoll.

HB DÜSSELDORF. Siemens-Chef Klaus Kleinfeld steht ebenso darauf wie Metro-Chef Hans-Joachim Körber, WestLB-Chef Thomas Fischer und der Chef des Stromkonzerns Vattenfall Europe, Klaus Rauscher. Am spektakulärsten war 2007 wohl der Abgang Klaus Kleinfelds: Nach nur zwei Jahren und drei Monaten quittierte der Siemens-Chef im Frühjahr den Dienst, als der Aufsichtsrat des Münchner Technologiekonzerns trotz glänzender Unternehmenszahlen zögerte, seinen Vertrag zu verlängern. Grund war der beispiellose Korruptionsskandal.

Kleinfeld war innerhalb von gut zwei Jahren vom Wunderkind zum Prügelknaben geworden. Schuld daran war allerdings nicht nur der Skandal um schwarze Kassen bei Siemens. Schon zuvor war sein Image angekratzt. Etwa durch Erhöhung der Vorstandsbezüge um 30 Prozent, die von der „Bild“-Zeitung als „Frechste Gehaltserhöhung des Jahres“ gegeißelt worden war. Noch schlimmer aber war für seinen Ruf das Debakel um den Verkauf der Siemens-Mobilfunksparte an den taiwanesischen BenQ-Konzern, der mit der Pleite der Firmentochter endete. Am Ende war Kleinfeld der am kürzesten amtierende Siemens-Chefs in der 160-jährigen Firmengeschichte.

Doch der Manager fiel weich. Bei seinem Abgang erhielt er von Siemens noch eine Sonderzahlung von 5,75 Mill. Euro. Wenig später trat er einen hoch dotierten Posten im Management des US-Aluminiumherstellers Alcoa an.

Knall auf Fall verließ in diesem Jahr auch der Chef des größten deutschen Handelskonzerns Metro, Hans-Joachim Körber, den Konzern. Der Manager hatte das Düsseldorfer Unternehmen durch eine massive Auslandsexpansion zu einem der größten Handelskonzerne der Welt gemacht. Nach einem Wechsel in der Eigentümerstruktur sah er seine Handlungsmöglichkeiten aber offenbar eingeschränkt und trat lieber ab.

Die Fälle Kleinfeld und Körber verbindet, dass es die Manager selbst waren, die die Konsequenzen zogen. Und, dass sie letztlich gesunde Konzerne hinterließen: Es waren sozusagen Luxus-Kündigungen. Andere Manager zahlten den Preis für Krisen, in die die Konzerne unter ihrer Führung geraten waren.

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