Kinder mit Lernschwierigkeiten
Wegweiser ins Berufsleben

Die Frage, wie „schwache Schüler“ in den Ausbildungsmarkt integriert werden können, beschäftigt jedes Jahr viele Unternehmen. Denn zahlreiche Ausbildungsplätze bleiben frei, weil Schüler nicht die passenden Qualifikationen mitbringen. Wie Unternehmen Kinder und Jugendliche mit Lernschwierigkeiten unterstützen und sie auf den Arbeitsmarkt vorbereiten.
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KÖLN. Im vergangenen Jahr konnten laut Bundesagentur für Arbeit rund 19 500 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden, und auch in diesem Jahr wird befürchtet, dass zahlreiche Plätze frei bleiben.

Genug Auszubildende gäbe es im Prinzip – allerdings zeigen zahlreiche Erhebungen, dass viele Schulabgänger für den Arbeitsmarkt nicht fit genug sind. Welches Potenzial dadurch verlorengeht, lässt sich etwa in der Pisa-Studie ablesen, laut der nur jeder fünfte Jugendliche ohne Hauptschulabschluss einen Ausbildungsplatz findet, die anderen müssen weitere Qualifizierungsmaßnahmen durchlaufen. Bei den Absolventen mit Hauptschulabschluss stehen die Chancen ebenfalls schlecht: nur zwei von fünf schaffen den Übergang in einen Beruf. Und selbst bei den Schulabgängern mit einem mittleren Schulabschluss muss ein Viertel eine zusätzliche Qualifizierungsmaßnahme in Anspruch nehmen.

Viele Unternehmen und Stiftungen machen sich deshalb dafür stark, betroffenen Schülern den Übergang in einen Ausbildungsberuf zu erleichtern. Zu den Vorreitern gehört der Pharma- und Chemiekonzern Bayer, der jedes Jahr durchschnittlich 200 Schulabgängern dabei hilft, eine fundierte Berufsorientierung zu bekommen – obwohl das Unternehmen in diesem Jahr jeden seiner rund 930 Ausbildungsplätze besetzen konnte.

156 weitere Schüler wurden in das Programm „Starthilfe“ aufgenommen, das ein Jahr dauert und in dem die Schüler die Chance bekommen, Defizite durch theoretische und praktische Übungen auszugleichen. Die Schüler erlernen in dieser Zeit, mit den Anforderungen des Berufsalltags umzugehen. Sie sind acht Stunden vor Ort im Betrieb, können verschiedene Berufe kennenlernen und erproben ihre Kompetenzen auch in kreativen Übungen, bei denen sie von Kulturpädagogen betreut werden.

„Wir wollen ihnen helfen, im Berufsleben Fuß zu fassen“, sagt Bernd Baasner, Leiter der Bildung beim Chemieparkbetreiber Currenta, der sich um das Programm kümmert. Mit Erfolg: 85 Prozent der Teilnehmer haben nach Abschluss des Programms eine Berufsausbildung begonnen – viele auch außerhalb der Bayer AG.

Die Deutsche BP Stiftung hat sich ebenfalls zum Ziel gesetzt, gegen die Jugendarbeitslosigkeit anzugehen. Mit dem „Regionalen Haus der Berufsvorbereitung“ kümmert sie sich darum, die Ausbildungschancen für Hauptschüler zu verbessern. Das Angebot richtet sich an Schüler der Klasse 10. Sie besuchen parallel zur Schule 570 Unterrichtsstunden und bekommen Wissen in ganz unterschiedlichen Modulen, etwa in Mathematik oder handwerklichen Berufen. „Wir streben eine Vermittlungsquote von 80 Prozent an“, sagt BP-Arbeitsdirektor Michael Schmidt, „die wir bisher auch geschafft haben.“ Er befürchtet aber, dass sich die Wirtschaftskrise auch auf die Ausbildungsmöglichkeiten auswirkt – und die Quote nicht gehalten werden kann.

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