Kliniken entdecken solvente Selbstzahler als Zielgruppe.
Wenn Reedereien Gesundheit verkaufen

Was von den Kassen bezahlt wird, ist eine normale TÜV-Untersuchung, wir dagegen bieten eine Inspektion auf Premium-Niveau“, erzählt Christoph Marcus Bamberger, in Fachkreisen auch als Anti-Aging-Professor bekannt. Vom Sommer an sollen seine lebensverlängernden Maßnahmen zu einem lukrativen Geschäft werden – für die Deutsche Seereederei und für Bambergers Arbeitgeber, das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE). Zusammen eröffnen sie in Hamburg ein exklusives Präventionszentrum.

Auch die Bundesknappschaft, die ehemalige Hilfsorganisation für Bergleute, heute Krankenversicherer und Klinikbetreiber, verspricht sich von einer noblenVorsorgeklinik Gewinn. Im Januar öffnete ihre Deutsche Klinik für Naturheilkunde und Präventivmedizin im saarländischen Püttlingen die Pforten. Willkommen sind natürlich auch Knappschaftsmitglieder – vorausgesetzt sie zahlen selbst.

Die exklusiven Präventionszentren sollen keinen Klinikgeruch verströmen, sondern den Duft eines noblen Hotels. Statt Wartezimmern gibt es Kundenzimmer mit Internetzugang. Der Begriff Patient ist ohnehin tabu, denn Patienten sind Kranke – und krank darf sich hier niemand fühlen. Im Hamburger Zentrum können sich „risikobelastete Gesunde“ einer exklusiven Vorsorgeuntersuchung unterziehen. Damit es bei gestressten Managern erst gar nicht zum Burn-out kommt.

Der stramme Check-up soll in vier Stunden sämtliche individuellen Risikofaktoren ans Licht befördern. Herzstück der Untersuchung ist die Kernspintomographie – sie liefert ein vollständiges Bild vom Innenleben des Körpers. Solcher Aufwand hat seinen Preis: Pro Check-up werden etwa 2 500 Euro fällig. Bezahlen muss die Kundschaft privat, gesetzliche Kassen erstatten diese Leistung nicht.

Christoph Marcus Bamberger, künftiger Leiter des Zentrums, sieht darin kein Problem. „Die Bereitschaft, für die Gesundheit eigenes Geld auszugeben, wird massiv steigen“, ist er überzeugt. Wobei er nicht unbedingt auf den Zahlungswillen seiner Kunden selbst setzt, sondern eher auf den ihrer Arbeitgeber: Beim Executive Screening, wie die Gesundheitsbranche eine ihrer größten Zukunftshoffnungen nennt, zahlen Unternehmen ihren Managern alle paar Jahre eine „große Inspektion“. Ein Präventionszentrum eignet sich besonders, weil gestresste Führungskräfte weder Zeit noch Lust haben, für einen kompletten Check-up von Praxis zu Praxis zu hecheln und in miefen Wartezimmern zu sitzen.

Das stellt natürlich ganz andere Anforderungen an das Personal. „Eine hohe fachliche medizinische Qualität ist selbstverständlich. Aber darüber hinaus sollten die Bewerber mit dem Service-Gedanken vertraut sein und entsprechende Umgangsformen haben“, betont Bamberger.

Das gilt vor allem, weil es mit der reinen Analyse des Ist-Zustands nicht getan ist: Dem Rundum-Check schließt sich eine Lebensstilberatung an, neudeutsch auch Lifestyle-Coaching genannt. Dort erfährt der hochdruckgeplagte Workaholic, wie er am wirkungsvollsten seine Ernährung umstellen und sich entspannen kann.

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