Konkurrenzkampf unter Brokern ist immens
Keine Karriere ohne Gaunereien

Ein riesiges Arbeitspensum und noch größerer Erfolgsdruck zwingen Wall Streets Broker fast schon zu illegalem Geschäftsgebaren.

LOS ANGELES. Wenn Patrick B. morgens um fünf Uhr in sein Büro an der Wall Street kommt, sitzt meist auch schon ein anderer Kollegen am Schreibtisch und klickt sich im Stakkato-Tempo durch die Business-Nachrichten. Schnell neue Zahlen abfragen, Trends auf dem Fonds- und Aktienmarkt, ein paar Notizen gemacht – und ab zum Kaffeeautomaten. Frühstück im Stehen. „Ungesund, aber schnell“, meint der 26-Jährige.

Patrick B. abeitet als Broker in New York. Ein „Traumjob“, hatte das aufstrebende Finanztalent aus Los Angeles noch vor einem Jahr beim Vorstellungsgespräch gesagt. Das war vor den aktuellen Skandalen, vor den Festnahmen und den bösen Gerüchten, dass es noch mehr von den „Suits“, den hektischen Männern in den gedeckten Anzügen an der Wall Street, treffen würde.

Jedes Jahr schwemmen tausende von jungen Menschen aus aller Welt in den Finanzdistrikt, um das große Geld zu verdienen. Der Konkurrenzkampf unter Brokern ist immens. „Arbeitest du nicht mindestens zwölf Stunden am Tag, giltst du schnell als faul“ erzählt Ben Younger, der zwei Jahre lang für seinen Film „Boiler Room“ die Wall-Street- Broker erforschte. „Unglaublich, welchem Druck die jungen Leute standhalten müssen“, urteilt der Filmemacher: Sie müssen jede Woche neue Kunden an Land ziehen. „Firmen führen interne Erfolgs-Charts“, sagt der gelernte Broker. „Fällst Du ins untere Drittel, ist Dein Job fast schon weg.“ Hinzu kommt, dass die Broker oft von so genannten „Antreibern“ bis an die Grenze der Legalität getrieben werden – und womöglich darüber hinaus. Zur Erinnerung: In Boiler Room ist es Ben Affleck, der den Neuen in seiner Firma klar macht, worum es im Brokerage- Business geht: „Jeder Anruf bei einem Kunden ist ein Kaufgespräch. Entweder verkauft ihr euren Kunden Aktien, oder eure Kunden verkaufen euch einen Grund, warum sie nicht kaufen wollen. Die Frage ist: Wer kann den Deal zuerst abschließen?“

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