Konzern erhöht Abfindungssummen bei freiwilligem Ausscheiden
Goldener Handschlag von der Telekom

Die Deutsche Telekom will offenbar stärker als bisher mit Hilfe eines goldenen Handschlags Arbeitsplätze abbauen. Um Mitarbeiter dazu zu bewegen, ihre Stelle freiwillig zu räumen, will der Konzern in den nächsten Monaten eine deutlich höhere Abfindung zahlen.

DÜSSELDORF. „Je nach Status kann ein Beschäftigter im besten Fall das Neunzehnfache seiner tarifvertraglich festgelegten Basisbetrags bekommen“, sagte Frank Weigand von der Kommunikationsgewerkschaft DPV.

Bisher sei das Achtfache ausbezahlt worden. Für Ressortleiter, die länger als 14 Jahre im Konzern sind, oder auch für Beamten ergibt sich nach den neuen Regeln ein goldener Handschlag von fast 80 000 Euro.

Das Angebot gilt in erster Linie für Mitarbeiter der Festnetzsparte T-Com, die jünger als 55 Jahre und bisher nicht in der konzerneigenen Personalservice-Agentur (PSA) gelandet sind. Das aufgebesserte Abfindungsmodell ist bis Ende dieses Jahres befristet.

Die Telekom will mit diesem Schritt offenbar ihren derzeit etwas stockenden Stellenabbau bewerkstelligen, denn die bisherigen Instrumente – in erster Linie die PSA – haben sich als wenig erfolgreich erwiesen. Überzählige Beschäftigten sollten in die Agentur ausgelagert, fortgebildet und in neue Jobs vermittelt werden. Das Ergebnis bisher: Von mehr als 7 000 PSA-Mitarbeitern haben etwa 2 200 einen neue Stelle gefunden – hauptsächlich innerhalb des Konzerns. Dort ersetzen sie externe Zeitarbeitnehmer, die die Telekom zuvor beschäftigte.

Die Vermittlungsquote der PSA wird in Unternehmenskreisen daher „als äußerst enttäuschend“ angesehen. „Angesichts der konjunkturellen Lage, kann man zwar nicht erwarten, dass wir gleich massenweise Telekom-Mitarbeiter nach außen vermitteln, aber etwas effektiver hätte die PSA schon arbeiten können“, sagte ein Telekom-Manager. Der Konzern hat bereits Konsequenzen gezogen und im Juli das PSA-Management ausgetauscht. Insgesamt will die Telekom bis 2005 etwa 40 000 Arbeitsplätze streichen, hauptsächlich im klassischen Festnetzgeschäft.

Über die erhöhten Abfindungen erhofft sich die Telekom nach Angaben aus dem Konzernumfeld eine Entlastung der PSA, die dann einige Hundert Mitarbeiter weniger vermitteln müsse. Finanziell könnte es im besten Fall auf ein Nullsummenspiel hinauslaufen: „Ob ein Mitarbeiter in die PSA kommt und dann monatelang bei vollem Gehalt zu Hause bleibt, kann uns im Zweifelsfall genauso teuer zu stehen kommen wie eine aufgebesserte Abfindung“, heißt es in Konzernkreisen.

Offiziell heißt es bei der Telekom, das Abfindungsmodell sei eines von mehreren Instrumenten zum Stellenabbau. Bereits in den 90er Jahren wurde es eingesetzt. „Das Modell ist zeitlich begrenzt, so dass sich der finanzielle Aufwand im Rahmen halten wird“, sagte ein Sprecher. Nach Analysten-Angaben hatten Abfindungen bei der Telekom früher keinen großen Erfolg beim Stellenabbau.

Die Kommunikationsgewerkschaft DPV kritisiert das Abfindungsmodell: „Das führt eher zu einem Ausscheiden junger Leute, die gut qualifiziert sind und daher leichter eine neue Stelle finden.“ Um dem zumindest teilweise vorzubeugen, hat die Telekom den goldenen Handschlag an eine Bedingung geknüpft. Nicht jedermann darf ausscheiden, sondern nur diejenigen, bei denen das Unternehmen „ein betriebliches Interesse an der Beendigung des Arbeitsverhältnisses hat“, heißt es in der Beschreibung des Modells. Im Klartext: Die Telekom muss zustimmen, wenn jemand freiwillig ausscheiden will.

Die Telekom steht unter Druck, ihre Festnetzsparte T-Com effizienter zu machen und ihre Personalkosten zu senken. Doch die alte Beamtenstruktur in den börsennotierten Konzern und tariflich verbriefte Kündigungsschutzregeln für Angestellte lassen den Unternehmenschefs kaum Spielraum.

Bei der T-Com sind noch 50 % der Belegschaft Beamte, also nicht kündbar. Ein Großteil der Beschäftigten genießen Kündigungsschutz, da sie älter als 43 Jahre sind und schon 14 Jahre dort arbeiten. Bis Ende 2004 dürfen auch die restlichen T-Com- Mitarbeiter nicht entlassen werden. Das hatte noch der ehemalige Telekom-Chef Ron Sommer mit den Gewerkschaften ausgehandelt.

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