Kritik an Medizinerausbildung
Privatuni Witten vor dem Aus

Die wichtigste deutsche Privatuni Witten/Herdecke (UWH) muss möglicherweise die Ausbildung von Medizinern einstellen. Der Wissenschaftsrat entscheidet diese Woche über Wohl und Wehe der Pionier-Uni.

BERLIN. Der zuständige Fachausschuss hat den Daumen bereits gesenkt: Die Medizinische Fakultät dürfe keine Studenten mehr aufnehmen, weil sie zu wenig forscht und kein überzeugendes Reformkonzept habe, heißt es in der Vorlage für den Wissenschaftsrat, die dem Handelsblatt vorliegt. Die Entscheidung fällt morgen.

Falls die medizinischen Fakultät Witten schließen müsste, käme der Universitätsbetrieb praktisch zum Erliegen. Den rund 630 Studenten in Medizin und Pflegewissenschaften stehen weniger als 500 Kommilitonen in anderen Disziplinen gegenüber, hauptsächlich Wirtschaftswissenschaftler. Die 1982 anerkannte UWH ist mit einem Umsatz von 30 Mill. Euro jährlich die größte deutsche Privatuni. Als einzige hat sie sich auch an die teure Ausbildung von Ärzten gewagt und hier Pionierarbeit bei der praxisnahen Ausbildung geleistet. Ihre Lehre erreicht in Rankings Spitzenplätze. Damit ist sie auch Symbol für den möglichen Erfolg privater Bildungsinstitutionen in Deutschland.

In den Kommissionen des Wissenschaftsrats sitzen Wissenschaftler sowie Vertreter des Bundes und der Länder. Er berät die Bildungsministerien, wie sie Hochschulmittel am besten einsetzen können und bewertet die Qualität von Forschungseinrichtungen. Sollte der Wissenschaftsrat tatsächlich die Medizin an der UWH ins Abseits schicken, würde er damit „die Chancen der privaten Hochschulen insgesamt platt machen“, warnt der Vorstand des Verbandes der privaten Hochschulen, Udo Steffens, in dem Witten/Herdecke nicht einmal Mitglied ist. Ein Verdikt des Rates würde die ohnehin raren Sponsoren privater Hochschulen „weiter abschrecken und einen Teufelskreislauf in Gang setzen“, warnt Steffens. Er wirft dem Wissenschaftsrat eine „Grundstimmung gegen privat verfasste Hochschulen“ vor. Sicher sei ein Teil der Vorwürfe gegen die UWH berechtigt. Doch auch manch staatliche Hochschule, etwa in Düsseldorf oder Bochum, würde den Kriterien des Rates nicht standhalten.

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