Kündigung: Trotzige Strafaktionen können teuer werden

Kündigung
Trotzige Strafaktionen können teuer werden

Ist das Vertrauen des Chefs in einen Mitarbeiter zerstört, lässt die Kündigung meist nicht mehr lange auf sich warten. Trotzigen Strafaktionen vor dem Rauswurf sollte sich der Arbeitgeber jedoch trotz aller Enttäuschung verkneifen. Wittern die Gerichte Schikane, kann die Trennung doppelt teuer werden.

DÜSSELDORF. Ein Unternehmen aus der Gegend von Siegburg war mit der Leistung eines im Innen- und Außendienst beschäftigten Kundenbetreuers alles andere als zufrieden. Im Herbst 2003 kulminierte die Situation. Als der Mitarbeiter morgens um halb neun in die Firma kam, dirigierte ihn der Betriebsleiter in einen Büroraum. Dort forderte er den verdutzten Angestellten auf, sich das Telefonbuch zu greifen und Adressen von potenziellen Kunden abzuschreiben. Mehr, so der Betriebsleiter, sei dem Mitarbeiter ja sowieso nicht mehr zuzutrauen.

Passend zu den freundlichen Begleitworten schloss der Vorgesetzte den Kundendienstmitarbeiter in dem Büro ein. Die Toilette, so die letzte Ansage des Betriebsleiters, dürfe der Adressenkopierer nur in Begleitung aufsuchen.

Der Angestellte ließ die Behandlung knapp eineinhalb Stunden über sich ergehen. Danach verließ er die Firma. Gut fünf Wochen später wurde das Arbeitsverhältnis beendet. Der Angestellte war zwischenzeitlich nicht mehr an seine Arbeitsstelle zurückgekehrt.

Für die genannten fünf Wochen verlangte der Ex-Mitarbeiter seinen Lohn. Sein ehemaliger Arbeitgeber legte sich quer: Der Kundendienstler sei nach dem Telefonbuchdisput nicht mehr im Betrieb aufgetaucht; ohne Arbeit gebe es auch keinen Lohn.

Das sahen die Arbeitsgerichte in zwei Instanzen anders. Das Landesarbeitsgericht Köln stellte fest, dass der Mitarbeiter durch sein Erscheinen am Arbeitsplatz "sein persönliches Arbeitsangebot zur rechten Zeit und am rechten Ort" erfüllt habe. Der Arbeitgeber habe ihm jedoch keinen seiner Tätigkeit entsprechenden Arbeitsauftrag gegeben. Zu den arbeitsvertraglichen Pflichten eines Kundendienstmitarbeiters im Innen- und Außendienst gehöre nämlich nicht das Abschreiben von Telefonbüchern; dies gelte erst recht, wenn das Ganze in einem abgeschlossenen Raum und mit Begleitschutz bei Toilettengängen verbunden sei. Entsprechende "Aufträge" seien schikanös und weit außerhalb des Direktionsrechts angesiedelt.

Rechtlich gesehen, so die Richter weiter, habe sich das Unternehmen somit seit dem geschilderten Vorkommnis im Annahmeverzug befunden. Konsequenz: Der Mitarbeiter habe einen Lohnanspruch in der von ihm geforderten Höhe von rund 1 800 Euro.

Der ruppigen Firma konnte auch das Argument nicht mehr helfen, der Ex-Mitarbeiter sei nach in den fraglichen fünf Wochen zum Teil krankgeschrieben gewesen und just in dieser Zeit nach Mallorca gereist. Da der Kundenbetreuer ein ärztliches Attest vorzeigen konnte, hätte das Unternehmen für seine Urlaubsbehauptung Beweis antreten müssen. Da dies nicht geschah, erhielt der Ex-Mitarbeiter den eingeklagten Lohn in voller Höhe zugesprochen.

(Landgericht Köln, 7 Sa 1597/04; erhältlich unter www.nrwe.de - Rechtsprechungsdatenbank des Landes NRW).

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