Kündigungsschutzfrist läuft erst nach tatsächlicher Kenntnisnahme an
Familienmitglieder dürfen vergesslich sein

"Können Sie diesen Brief bitte Ihrem Sohn geben?" sagte der Arbeitgeber und übergab das Kündigungsschreiben der Mutter. Die vergaß es in ihrer Handtasche. Trotz Ablaufs der Frist kann der Arbeitnehmer noch Kündigungsschutzklage einreichen.

HB MAINZ. Das entschied das Landesarbeitsgericht (LAG) Rheinland-Pfalz in Mainz in einem am Montag veröffentlichten Beschluss. Nach Auffassung der Richter ist der Arbeitnehmer für die Vergesslichkeit des Angehörigen nicht verantwortlich.

Das Gericht ließ damit die verspätet erhobene Kündigungsschutzklage eines Arbeitnehmers noch zu. Nach geltendem Recht muss gegen eine Kündigung innerhalb von drei Wochen Klage erhoben werden. Im vorliegenden Fall hatte die Mutter des Klägers das Kündigungsschreiben entgegengenommen, in ihre Handtasche gesteckt und ihrem Sohn erst nach Ablauf der Kündigungsfrist ausgehändigt. Der Arbeitgeber hielt daher die Kündigungsschutzklage für nicht mehr fristgerecht. Das LAG schloss sich dem nicht an: Der Arbeitnehmer habe an der Fristversäumung nicht die geringste Schuld.

Az.: 8 Ta 17/04

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