Laut Gfk-Studie vertrauen die Menschen nur Politikern noch weniger
Manager haben ein schlechtes Image

Skandale um aufgebauschte Unternehmensgewinne, Vorstandsgehälter und Bilanzmanipulationen haben das Ansehen von Topmanagern in Europäer und den USA stark beschädigt. Nur die Wertschätzung von Politikern ist noch schlechter.

sia LONDON/BRÜSSEL. Dies ergab eine Umfrage in 20 europäischen Ländern und den USA, die das Meinungsforschungsinstitut GfK im Auftrag des „Wall Street Journals“ durchführte. Das größte Prestige genießen Ärzte, gefolgt in fast allen Ländern von Priestern (außer in Rumänien und Russland). Durchschnittlich gaben 80 % der Befragten an, sie vertrauten Ärzten, während nur 33 % den Topmanagern und 16 % den Politikern trauen.

In Deutschland schnitten die Wirtschaftslenker am schlechtesten ab: Nur 18 % der befragten Deutschen sprachen den Topmanagern ihr Vertrauen aus. Damit ist Deutschland die Hochburg des Misstrauens gegenüber Managern, gefolgt von Polen und von Russland, wo die spektakuläre Verhaftung des Yukos-Managers und -Großaktionärs Michail Chodorkowskij in der Umfrage noch nicht berücksichtigt ist. Am anderen Ende der Skala liegt Dänemark, wo 64 % der Befragten den Managern ihr Vertrauen aussprachen.

In den USA, wo die Bilanzierungs-Skandale des vergangenen Jahres das Vertrauen vieler Anleger in börsennotierte Unternehmen erschütterten, fiel das Ansehen der Wirtschaftslenker drastisch. Acht von zehn befragten US-Amerikanern gaben an, Vertrauen in die Manager-Riege verloren zu haben. In Europa sagten dies weniger als fünf von zehn Befragten.

Fragt man beiderseits des Atlantiks, welche Unternehmenslenker die besseren Manager sind, dann bleiben die Befragten ihrem eigenen Terrain treu: Zwei von drei US-Amerikanern halten europäische Firmen für schlechter geführt als US-Unternehmen. Dagegen betrachten 25 % der Europäer die hiesigen Manager für besser, 40 % bewerten die Management-Qualitäten beiderseits des Atlantiks als gleichwertig.

Unterdessen wird die Kluft bei den Manager-Einkommen zwischen Europa und den USA immer größer. Eine Studie der Personalberatung Towers Perrin zufolge stieg das durchschnittliche Einkommen von US- Topmanagern im vergangenen Jahr auf 1,89 Mill. Euro (2,25 Mill. $) und ist damit fast drei Mal so hoch wie das Durchschnittseinkommen der Kollegen in neun europäischen Ländern von 675 360 Euro. Die Studie berücksichtigt Grundgehalt, Boni, Nebeneinkünfte, Unternehmensleistungen sowie langfristige finanzielle Anreize und konzentriert sich auf Industrieunternehmen mit rund 500 Mill. Euro Jahresumsatz.

Doch auch in Großkonzernen zeigt sich die transatlantische Gehaltskluft. Dies zeigt ein Vergleich zweier Topmanager der Lebensmittelbranche, dem französischen Danone-Chef Franck Riboud und dem Chef des US-Konzern H.J. Heinz, William Johnson. Riboud führt einen Konzern mit einem Jahresumsatz von mehr als 14 Mrd. $ und einer Marktkapitalisierung von 20 Mrd. $. und erhielt 2002 ein Grundeinkommen von 990 000 Euro plus 1,4 Mill. Euro Bonus, Aktienoptionen nicht eingerechnet. Diese insgesamt 2,4 Mill. Euro sind geradezu bescheiden im Vergleich zu den 6,1 Mill. $, die Heinz-Chef Johnson erhielt (Grundeinkommen: 1 Mill. $, Bonus: 1,53 Mill. $, Aktien: 3,2 Mill. $, geldwerte Vorteile: 353 000 $). Dabei ist Heinz gemessen an Jahresumsatz und Marktkapitalisierung ein gutes Drittel kleiner als Danone. Allerdings entwickelte sich die Heinz-Aktie besser als Danone-Anteile.

Quelle: Wall Street Journal

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