Leben und Arbeiten in Bukarest
"Es macht Spaß zu sehen, wie sich das Land verändert."

Rumäniens Hauptstadt wandelt sich zur Boomtown. Marko Walde von der Deutsch-Rumänischen Industrie- und Handelskammer findet das Leben in Bukarest grundsätzlich sehr angenehm. Ihn fasziniert die Dynamik, mit der das Land lange Entbehrtes nachholt.

mto BUKAREST. "Rumänien hat sehr viel aufzuholen", sagt Marko Walde. Die ganze Infrastruktur, Straßen, Wohnungen, Versorgungssysteme müssten neu gebaut werden. Walde, 37, ist geschäftsführendes Vorstandmitglied der Deutsch-Rumänischen Industrie- und Handelskammer und seit knapp einem Jahr in Rumänien. Ihn fasziniert die Dynamik, die das Land erfasst hat. Denn auch die Menschen holen vieles nach, was ihnen lange verwehrt war. "Die Menschen konsumieren, als ob es morgen nichts mehr gäbe: Autos, Möbel und so weiter." Selbst viele Restaurantbesitzer sind auf den Konsumzug aufgesprungen. Sie werben im Fenster mit dem Spruch: "Fleisch ohne Limit!" Das erinnert an das einstige Wirtschaftswunderland Deutschland in den 50er Jahren.

Die Zusammenarbeit mit rumänischen Kollegen empfindet Walde als sehr gut. Das Potenzial an jungen, gut ausgebildeten Leuten sei zwar sehr groß. "Hier steht die Alterspyramide noch richtig herum", sagt Walde. Doch es gibt offenbar ein großes Problem: "Es ist eine echte Herausforderung, gute Leute zu halten." Grund: In Bukarest liegt die Arbeitslosigkeit bei sagenhaften 1,8 Prozent. Wenn eine Firma gute Leute sucht, ist sie also durchaus bereit, überdurchschnittlich zu zahlen.

Woran es noch hapert im Boomland auf dem Balkan, ist die Dienstleistungsmentalität. Die sei schlicht mangelhaft. "Im Autohaus kann es ihnen passieren, dass der Verkäufer sagt: Entweder Sie nehmen das Auto, das da ist, oder keines", erzählt Walde. Das klingt nach alten sozialistischen Untugenden.

Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern hat sich Walde in der Stadt dennoch gut eingelebt. "Wir fühlen uns zunehmend wohl. Das Klima ist sehr angenehm, besonders auch für Kinder." Seine 11-jährige Tochter besucht ein französischsprachiges Gymnasium, der Sohn geht in einen englischsprachigen Kindergarten. Einen großen Mangel gibt es allerdings noch: Das spärliche Freizeitangebot für Familien. Doch zum Glück zeigen manche Kinos gelegentlich einen deutschsprachigen Film. Und wenn die Familie mal raus will, so fährt sie eben ans Schwarze Meer oder in die Karpaten - beides in zweieinhalb Stunden zu erreichen. Fazit des Handelskammermannes: "Es macht Spaß zu sehen, wie sich das Land verändert."

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