Leben und Arbeiten in Damaskus
Flair des Orients

Politisch gilt Syrien als „Schurkenstaat“. Doch wer hier lebt, erzählt von der Sinnlichkeit der Stadt und der Herzlichkeit der Bewohner. Ein Erfahrungsbericht zweier Deutschen, die in der Hauptstadt Damaskus leben und arbeiten.

Natascha Krüger hat jeden Tag einen kleinen Lieblingsmoment. Es ist die Zeit, wenn sich die Dunkelheit über die Stadt legt, die Rufe der Muezzine durcheinanderwehen und die Minarette ihre grüne Beleuchtung anknipsen. Dann sitzt die Augsburgerin auf dem Dach ihres Hauses und sagt: „Diese Stimmung findet man nirgendwo sonst auf der Welt.“

Jedes Jahr kommen Tausende von ausländischen Studenten nach Damaskus, um Arabisch zu lernen. Natascha Krüger blieb beim ersten Mal einen Monat lang. Ein Jahr später kam sie wieder. Beim dritten Mal wusste sie: Diesmal ist es für länger. Nun lebt sie schon seit eineinhalb Jahren hier. Die Studentin der vergleichenden Literaturwissenschaft will ihre Masterarbeit über palästinensischen Hiphop schreiben, doch erst muss sie ihr Arabisch auf akademisches Niveau bringen. „Die Sprache ist so schwer, das dauert seine Zeit“, erklärt sie. „Ich spreche zwar recht flüssig, kann aber noch nicht die Zeitung nehmen und drauflos lesen.“

Nebenbei unterrichtet die 30-Jährige an der Universität Deutsch. Für fünf Stunden pro Tag bekommt sie 360 Euro im Monat. Das reicht, um alle Kosten zu decken. Sie hat in Bab Tuma, dem Christenviertel der Altstadt, ein Zimmer gemietet. Die Gassen ringsum sind so schmal, dass sich die schiefen Lehmhäuser an den Giebeln fast berühren. Alte Männer rauchen Wasserpfeife auf dem Gehsteig, Esel ziehen schwer bepackte Gemüsekarren. Strom und Wasser fallen oft stundenlang aus. „So ist das hier nun mal“, meint sie, aber: „Man kann sich arrangieren.“

Das gilt auch für ihr Leben als alleinstehende Frau. Die Regeln hat sie schnell gelernt, hält Schultern und Knie bedeckt und schaut fremden Männern nicht in die Augen. Das übliche Starren, Rufen und Pfeifen ignoriert sie. „Wenn sie grabschen, muss man laut werden, dann lassen sie es. Sonst denken sie, es gefällt einem.“ Doch die sonstige Herzlichkeit und Offenheit der Syrer machen es ihr leicht, über die Nachteile des Lebens hier hinwegzusehen. Freunde hat sie ganz automatisch gefunden, sagt sie. „Es ist unmöglich, in Syrien zu vereinsamen.“

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