Leben und Arbeiten in Israel
Deutsche Möbel

Der gelernte Installateur Thomas Bömicke kam als Tourist und ist heute als Restaurateur ein gefragter Mann. Das Verkehrschaos stresst ihn mehr als die prekäre Sicherheitslage: "Angst habe ich noch gehabt."

TEL AVIV. Wenn Thomas Bömicke morgens durch die Tel Aviver Innenstadt zur Werkstatt radelt, ärgert er sich regelmäßig über den rücksichtslosen Fahrstil der Israelis und den Lärm. Als der 41-jährige Pfälzer aus Kaiserslautern mit seiner israelischen Frau hier nur Urlaub verbracht hatte, war ihm das nicht so aufgefallen. Das richtige Leben aber verändert die Wahrnehmung. Dazu gehört die bittere Tatsache, dass die Löhne geringer sind als in Deutschland - obwohl das energiesprudelnde Tel Aviv durchaus ein teures Pflaster ist.

Der gelernte Installateur, der früher in seiner Freizeit gerne Dragster-Rennen fuhr und Oldtimer restaurierte, stellt jetzt sein Geschick bei der Restaurierung von antiken Möbeln unter Beweis. Neun Stunden pro Tag, fünf Tage die Woche. Mit wachsendem Erfolg. "Mittlerweile rennt die Kundschaft meinem Chef die Türen ein", erzählt er. "Im ganzen Land gibt es nur fünf solche Betriebe."

Viele Kunden stammen ursprünglich noch aus Deutschland - jüdische Einwanderer, die nach Hitler noch das Glück gehabt hatten, mit ihrem Hab und Gut die Flucht antreten zu können. "Sie oder ihre Erben bringen uns oft Sammelstücke aus der Biedermeierzeit, auf denen noch die Namen der deutschen Hersteller draufstehen."

Er spricht während der Arbeit viel deutsch und ist ziemlich überrascht, wie problemlos es ist, als Deutscher in Israel zu leben. Er ist seiner Frau gefolgt, die es nach der Geburt ihrer heute 4-jährigen Tochter Hanna wieder in die Heimat gezogen hatte.

Am Feierabend baut Bömicke mit viel Liebe Puppenhäuser aus Holz. Auch da steigt mittlerweile die Nachfrage. Er schätzt die "unkomplizierte Art der Israelis, die nicht wie bei uns erst Diplome sehen wollen, sondern einfach sagen: Komm, fang an, und wenn du es kannst, dann ist es gut."

Es sei deshalb leicht, etwas Neues anzufangen oder sich selber etwas aufzubauen. Klar werde auch eine Menge gepfuscht, aber deshalb wisse man seine Sorgfalt umso mehr zu schätzen.

Die Sicherheitslage ist für ihn kein großes Thema. Terror, sagt er, könne schließlich überall passieren. Größere Menschenmengen scheut er dennoch, "aber Angt habe ich noch nie gehabt".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%