Leben und Arbeiten in Jogjakarta (I)
Lächeln und Konkurrenz mit den Göttern

Touristen kommen wegen des weltberühmten Borobodur-Tempels nach Jogjakarta. Dabei ist die Großstadt auch Indonesiens Kultur- und Unimetropole. Marc-André Souvignier kam als Nothelfer des Roten Kreuzes nach Java. Jetzt baut der Rot-Kreuz-Mann einen professionellen Katastrophenschutz auf.

Die meisten Europäer kommen in die indonesische Sultanstadt Jogjakarta, um alte Paläste und den Borobudur, den größten buddhistischen Tempel der Welt, zu besichtigen.

Marc-André Souvignier reiste vor zwei Jahren allerdings nicht zum Urlaub in das Touristenzentrum auf der Insel Java: Der Nothelfer des Roten Kreuzes traf nur wenige Tage nach einem heftigen Erdbeben ein, das große Teile der Stadtprovinz zerstört hatte. „Was mich von Anfang an sehr beeindruckt hat, war die große Eigeninitiative der Menschen hier“, erzählt der 36-jährige Baden-Badener. „Wir haben die Leute daher nach dem medizinischen Noteinsatz vor allem in ihrer Selbsthilfe mit Logistik und Material unterstützt.“ Aus der erfolgreichen Nothilfe entstand eine langfristige Kooperation mit dem Indonesischen Roten Kreuz, um einen professionellen Katastrophenschutz aufzubauen.

Die vorwiegend muslimische Region ist nicht nur von Erdbeben, sondern immer wieder auch von Vulkanausbrüchen bedroht. „Manchmal ist es schwierig, den Leuten hier zu erklären, dass solche Ereignisse nicht nur auf Gottes Willen oder mystische Kräfte zurückgehen und dass man sich dagegen schützen kann. Viele glauben eher dem alten Hüter des nahen Vulkans Merapi als wissenschaftlichen Berechnungen“, berichtet Souvignier.

Mit der Mentalität der Javaner kommt der Rot-Kreuz-Mann inzwischen gut klar – auch wenn er viel Geduld lernen musste: „In Jogjakarta läuft alles einen Schritt langsamer, das gefällt mir. Nur beim Arbeiten nervt es manchmal, wenn einfach nichts vorangeht“, so der Politologe. „Die Leute sind immer freundlich, alle lächeln, aber wo das Problem liegt, sagt einem keiner – das muss man selbst herausfinden.“

Besonders schwierig findet der Rot-Kreuz-Helfer den tagtäglichen Umgang mit der allgegenwärtigen Korruption. Doch anstatt sich krank zu ärgern, versucht er lieber, tief durchzuatmen und Lösungen zu finden.

„Ansonsten fühle ich mich hier sicherer als in mancher europäischen Großstadt. Am liebsten fahre ich mit dem Fahrrad durch die Dörfer in der Umgebung. Die Gegend hier hat einen starken Charakter.“

Teil II am 24. April

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