Leben und Arbeiten in Jogjakarta (II)
Multikulturell und intellektuell inspirierend

Touristen kommen wegen des weltberühmten Borobodur-Tempels nach Jogjakarta. Dabei ist die Großstadt auch Indonesiens Kultur- und Unimetropole - nicht weniger als einhundert Hochschulen gibt es hier. Katrin Bandel lehrt als eine der wenigen ausländischen Uni-Dozentinnen an einer von ihnen.

Ein Labyrinth aus kleinen Gassen führt zu Katrin Bandels Haus im Süden Jogjakartas, das sich eng an die Nachbarhäuser anschmiegt. Im Innern dominieren Bücherregale die Einrichtung, ein paar Vögel zwitschern in ihrem Käfig. Seit sieben Jahren lebt die 35-Jährige mit ihrem Mann, einem Dichter aus Nordsumatra, in der Kultur- und Studentenmetropole Indonesiens.

„Das Leben hier ist durch die vielen Unis und die Touristen sehr multikulturell. Außerdem ist Jogjakarta das Zentrum für kontemporäre Kunst und Literatur in Indonesien, es gibt ständig Ausstellungen und Diskussionen“, erklärt die Literaturwissenschaftlerin, die zum Thema „Medizin und Magie in der modernen indonesischen Prosa“ promoviert hat.

Seit 2004 unterrichtet die Hamburgerin im Masterstudiengang Religions- und Kulturwissenschaften an der christlichen Sanata-Dharma-Universität und dürfte damit die einzige europäische Dozentin sein, die in der Stadt mit rund 100 Hochschulen und Universitäten indonesische Literatur lehrt. „Dass ich die einzige ausländische Dozentin im Kollegium bin, stößt mir weniger auf, als dass ich als einzige Frau in meinem Studiengang unterrichte. Das System hier ist sehr patriarchalisch“, erzählt Bandel, die am Aufbau eines Zentrums für Frauenstudien an ihrer Fakultät beteiligt ist.

„Allerdings kann ich mir durch meinen Sonderstatus als Ausländerin wiederum deutlich mehr herausnehmen als javanische Kolleginnen." So kann sie auch ihre Meinung sagen und kritisieren, während die harmoniebewussten Javanerinnen Angst hätten, nicht ernst genommen zu werden oder ihr Gesicht zu verlieren.

Zurzeit führt Bandel in einer der größten Tageszeitungen des Landes eine intellektuelle Polemik mit einer bekannten indonesischen Schriftstellerin. „Ich finde es befriedigend, hier in der Szene drin zu sein und mich am Diskurs zu beteiligen.“ Etwas schwer tut sich die hoch gewachsene Deutsche mit der Neugier der Einheimischen, die begeistert jeden westlichen Ausländer ansprechen. „Die Leute hier sind grundsätzlich alle sehr freundlich, aber manchmal wäre mir etwas weniger Aufmerksamkeit lieber“, so Bandel.

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