Leben und Arbeiten in Nanjing
Backen statt Kung-Fu

Fast durch Zufall wurde Patrick Heckelmann zum "Bäcker von Nanjing" und ein erfolgreicher Geschäftsmann. Und seine Kneipe zum ersehnten Stück Heimat für viele deutsche Expats, die sich nach Kartoffelsalat mit Würstchen oder Schnitzel verzehren.

Der Bäcker von Nanjing ist ein gebürtiger Mainzer. "1993 wollte ich eigentlich Akupunktur studieren", erinnert sich Patrick Heckelmann. Seit 15 Jahren lebt der Selfmademan am Jangtse. Und obgleich der 39-Jährige früher mal in London Ernährungswissenschaften studiert hat, war der Sprung ins Backhandwerk purer Zufall. "Mein China-Bild hatte ich aus alten Kung-Fu-Filmen. Erst im Sommerpalast in Peking habe ich mich zum ersten Mal so richtig in China gefühlt." Während des obligatorischen Sprachkurses juxte er mit Freunden herum, man müsse eigentlich mal eine richtige Kneipe aufmachen. Vier Jahre später wurde "Swede and Kraut" eröffnet - und die Deutschen hatten endlich ihren Stammtisch.

Ob Bosch, BASF oder Siemens, Manager oder Studenten, das "Swede and Kraut" bringt in der Sechs-Millionen-Stadt alle zusammen, die sich nach Kartoffelsalat und Würstchen, Pizza und Schnitzel verzehren. "Anfangs haben wir sogar mit Käseherstellung experimentiert und unsere eigene Sahne gemacht", erinnert sich Heckelmann. Weil dabei viel Magermilch abfiel, machte Heckelmann Quark und verschenkte ihn kurzerhand - das begeisterte Gäste aus Hongkong, wo der seltene Quark sündhaft teuer war. "Die meisten Zutaten mussten wir selbst einführen oder aus Peking einfliegen lassen. Bei den Bauern haben wir Milch gekauft, selbst pasteurisiert und verarbeitet." Vieles, was wie die Pralinenproduktion als Experiment startet, wird schnell zur festen Einrichtung. Als Gäste nach dem Essen immer häufiger noch Brot kaufen wollen, laufen die Planungen für die Bäckerei an, die Investitionen klettern schnell auf 250 000 Dollar, weit mehr als ursprünglich geplant. "Wir wollten weniger investieren, aber ab einem gewissen Punkt muss man einfach mithalten." Nicht alles geht glatt. Als die chinesische stille Teilhaberin aus dem Geschäft geht, nimmt sie den Stempel mit. Aber ohne Stempel geht gar nichts in China. Ein Jahr lang arbeitet Patrick am Rande der Legalität.

"Ich bin kein geborener Geschäftsmann, aber ich hatte viel Glück", bekennt Heckelmann rückschauend. Wie viele Langzeit-Expatriats vermisst auch er die eingeschworene Gemeinschaft von früher. "Früher war es einfach und schön, man hat viel mehr geteilt, hat sich gegenseitig Dinge mitgebracht, die es nur in Schanghai gab. Man hat zusammengehalten."

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