Leben und Arbeiten in Nanjing
Schaffen fürs Ländle

Die studierte Fahrzeugtechnikerin Julia Güsten leitet die China-Repräsentanz Baden-Württembergs. Seit 12 Jahren schon arbeitet die heute 44-Jährige in Nanjing. Und will mit Mann und Tochter nicht mehr aus der Provinzhauptstadt Jiangsus weg.

Die Fahrt vom Bahnhof in die Innenstadt dauert ewig. Als Julia Güsten und ihr Mann Helmut in Nanjing eintreffen, wissen sie nur, dass ihr neues Büro in einem Hochhaus liegt. Das Ziel ist schnell identifiziert: Es gibt noch wenige Hochhäuser im Herzen der ehemaligen Kaiserstadt, nur eines beherbergt Ausländer. "Das ist jetzt zwölf Jahre her, heute fiele uns die Orientierung nicht mehr so leicht bei den vielen Neubauten", erinnert sich die 44-Jährige, die seit 1996 in der Partnerstadt des Ländles die China-Repräsentanz von Baden-Württemberg International leitet.

2005 bezog die Wirtschaftsberaterin mit ihren damals drei Mitarbeitern zwei dreistöckige traditionelle Steinhäuser. Heute beschäftigt Güsten in einem Firmenpool bereits 16 chinesische Mitarbeiter, die für baden-württembergische Unternehmen Einkauf und Marketing betreuen und Kontakte zu lokalen Firmen aufbauen. Die Palette reicht von Büromöbeln über Maschinenbauer bis zu einem Treppenhersteller, ein Drittel der jetzt 18 Firmen ist in den China-Vertrieb eingestiegen.

Ihren ersten China-Kontakt hatte die studierte Fahrzeugtechnikerin Anfang der 90er-Jahre bei einem Praktikum in einer LKW-Fabrik in der Provinz Hubei. Nach dem Studium wollte das Ehepaar maximal vier Jahre in China bleiben, doch die Hauptstadt der Provinz Jiangsu ist für Güstens längst zur Dauerlösung geworden.

Das Angebot an Wohnungen ist riesig, die Güstens sind im vergangenen Jahr der Töchter wegen an den Stadtrand gezogen: Hier ist mitten auf der grünen Wiese um die internationale Schule herum über Nacht ein riesiges neues Wohngebiet hochgezogen worden. Mit Direktflügen nach Deutschland und internationalen Supermärkten ist der Lebensstandard deutlich gestiegen, die Fahrzeit ins circa 300 Kilometer entfernte Schanghai wurde dank neuer Schnellzugverbindungen auf zwei Stunden halbiert.

"Die Menschen in Nanjing sind freundlich und umgänglich. Es gibt eine gewachsene Struktur, eine stärkere Verwurzelung als in anderen Regionen Chinas." Ihr stellvertretender Büroleiter Liu Haining arbeitet seit zwölf Jahren mit Julia Güsten zusammen. "Liu hätte längst gehen können, so viele gutbezahlte Angebote hat er schon bekommen. Wenn andere über chinesische Mitarbeiter jammern, dann brauche ich nur ihn anzusehen."

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