Leben und arbeiten in Panajachel
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Deutsche gibt es überall. Selbst an einem abgeschiedenen Ort in Guatemala. Dort arbeitet Jule Türke als Lehrerin in einer multikulturellen Schule. Sie freut sich vor allem über die offene Mischung aus indianischer Tradition und jungem Tourismus in dem Maya-Ort.

DÜSSELDORF. Als die 30 Jahre alte Jule Türke im August 2007 nach ihrem Magisterabschluss nach Panajachel am Atitlánsee in Guatemala reiste, um dort an dem internationalen Schulprojekt Atitlán Multicultural Academy als Englischlehrerin zu arbeiten, da tat sie das vor allem aus Lust an der Entdeckung von etwas Neuem.

Und das war es: Das Lehr-Team der Schule ist bunt gemischt – es kommt aus den USA, Guatemala, Russland und Österreich; unter den Schülern befinden sich neben Guatemalteken auch Franzosen, Italiener, Franzosen, Mexikaner, Nordamerikaner und Schweizer. Die Lehrziele lesen sich alles andere als vermieft: Stärkung der individuellen Persönlichkeit, Zusammenhalt im Team, Kreativität und Disziplin.

Von Lateinamerika hatte Türke bis dahin keine präzisen Vorstellungen, kannte es lediglich aus Urlaubsschilderungen. Also recherchierte sie im Internet, schaute sich die Seiten von Hilfsorganisationen an und las die Autobiografie der Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú, die während des grausamen Bürgerkrieges in den 80er Jahren ihre gesamte Familie verlor und ins Nachbarland Mexiko flüchten musste. Eine von Türkes Freundinnen war schon durch Guatemala gereist und hatte sie für dieses Land begeistert, eine weitere Schulfreundin hatte sich ein Jahr zuvor bereits für Panajachel entschieden.

So wagte auch Jule Türke den Sprung über den Ozean. Hinein in eine fremde Welt, in der zunächst einmal die Pracht der Natur überwältigt. Magentafarbene Bougainvillea türmt sich über die Hauswände, Schmetterlinge und Kolibris flattern zwischen Palmen, Amaryllis und Lilien. Von drei nahezu perfekt geformten Vulkanen ist der Lago de Atitlán umrahmt, der zu den eindrucksvollsten des gesamten Subkontinents zählt. Panajachel mit seinem Maya-Namen ist der größte Ort, die weiteren Dörfer haben Apostel und Heilige als Taufpaten: Santiago, San Juan, Santa Catarina, San Marcos. Die heimischen Maya kleiden sich in die farbenfröhlichsten Trachten, und jede Tracht verrät das Herkunftsdorf, verwirrend schön.

„In Panajachel lebt man jedoch nicht im ursprünglichen Guatemala“, erzählt Jule Türke im Terrassencafé an der turbulenten Hauptstraße von Panajachel. „Es ist vom Tourismus geprägt und hat eine Gringo-Gemeinde.“ Für Türke keinesfalls Anlass zur Klage: „In den Supermärkten gibt es Ritter-Sport-Schokolade und holländischen Käse, wenn ich mal keine Lust auf Maistortillas habe!“ Um den See herum wird vornehmlich traditionell indianisch gekocht, mit den Ingredienzien Tortillas, Bohnen, Chilis, Avocados und Tomaten. Das Obst liebt sie besonders, die frischen Ananas und Mangos verkaufen die Marktfrauen bereits fertig in Schnitze geschnitten.

Das wirklich unverfälschte Guatemala lernt Türke kennen, wenn sie übers Wochenende verreist, in die Berge oder an den Pazifik. Dafür nimmt sie den Chicken Bus, der seinen Spitznamen durchaus verdient – schließlich reist durchaus auch schon mal lebendes Federvieh mit, das gerade frisch auf dem Markt erstanden wurde.

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