Leben und arbeiten in Peking
Metropole der Möglichkeiten

Ihre Karriere ist so verrückt wie die Stadt: Katrina Arndt ist Art-Direktorin des coolen chinesischen Hochglanz-Magazins „iLook" in Peking. Erfahrungen brauchte sie keine, um den Job zu bekommen. Ein Bericht über das echte Leben in der Millionenstadt.

Als Grafikpraktikantin einer unbekannten Designfirma kam Katrina Arndt vor drei Jahren nach Peking. Ein paar Monate später ist die Deutsche, die ohne Chinesisch-Kenntnisse, Führungserfahrung oder Studienabschluss begann, Art-Direktorin der Frauenzeitschrift „iLook". Medienmogulin Hong Huang, Tochter der Englisch-Übersetzerin von Mao, suchte einen Ausländer, der ihrem Prestigeprojekt ein neues Gesicht verpasste - und fand Katrina Arndt. „In Deutschland bräuchte ich zehn Jahre Erfahrung für diesen Job, hier konnte ich einfach loslegen."

1 300 Euro verdient sie im Monat, das ist viermal mehr als ihre Kollegen bekommen, entspricht aber nur dem Bruchteil eines Expat-Salärs. Ihr Arbeitsplatz liegt im Künstlerquartier Dashanzi im Nordosten auf dem Gelände einer einstigen Waffenfabrik. Anfangs irritierte es die 26-Jährige etwas, dass ihre Kollegen selbst im größten Stress Federball quer über die Schreibtische des Großraumbüros spielen. Heute macht sie mit. Das entspannt.

Nur zwei der acht Leute ihres Teams sprechen Englisch, viele Probleme drangen gar nicht zu ihr vor. Inzwischen haben sie die Chefin akzeptiert. „Sie machen immer noch Witze über mich und mein Chinesisch – aber sie machen sie jetzt mit mir." Mit ihrer 250 Euro teuren Vespa-Kopie braucht Arndt morgens eine Viertelstunde von ihrer 100-Quadratmeter-Wohnung im 22. Stock eines der zahllosen Hochhäuser im Osten. Ein Taxi quält sich dreimal so lange durch den Stau. Abends streift die Tübingerin durch Rockclubs, geht ins „Mao Life House" oder ins „D22", in dem „Beijing Bubbles", ein Film über Pekings Punks, gedreht wurde. „Hier begegnet man starken Persönlichkeiten. Da ist nichts mehr von der Uniformität der Mao-Zeit zu spüren."

Am Wochenende fährt sie oft zum neuen Stadion, "Vogelnest" genannt. Sie liebt dieses grandiose Stahlgeflecht, in dem 2008 die Olympiade eröffnet wird. "Da würde ich am liebsten Architektin werden", sagt sie. "In Europa bekäme man für solche Wahnsinnsprojekte nie eine Baugenehmigung. Das gibt es nur in China."

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