Leben und arbeiten in Seoul
Höflich und mit Respekt

Die koreanische Sprache beherrscht Philipp Wieland – und auch die Feinheiten der Höflichkeit. Das hat ihm den Einstieg bei Samsung Engineering leicht gemacht. Jetzt profitiert er vom Ausländer-Bonus.

Darüber, wie er zur Arbeit kommt, muss sich Philipp Wieland keine Gedanken machen. Er ist Marktanalyst bei Samsung Engineering. Morgens um 6.45 Uhr steigt er in den Firmenbus, der ihn von seinem Wohnort Tyeong-chon, einem Vorort von Seoul, ins Büro bringt. Seine Heimfahrt organisiert die Firma dagegen nicht, „damit die Leute länger im Büro bleiben“, sagt Wieland. In Korea wird erwartet, dass die Mitarbeiter Überstunden machen.

Seit einem Jahr analysiert der studierte Informatiker die Einstiegs-Möglichkeiten in den Ölmarkt bei Samsung Engineering, zuvor hat Wieland in Seoul noch einen Master in International Trade and Finance gemacht. „Von Ausländern wird in Korea nicht immer erwartet, dass sie sich an alle Regeln halten. Aber man sollte versuchen, sich der Kultur anzupassen“, sagt der 25-Jährige. Er kommt in dem koreanischen Unternehmen gut zurecht – auch, weil er die Sprache beherrscht. Und die ist gar nicht so einfach, da es im Koreanischen mehrere Höflichkeitsstufen gibt. „Ich muss genau überleben, welche Sprachform ich bei meinem Gegenüber wähle“, erzählt Wieland. Höflich und respektvoll sein, ist generell eine wichtige Maxime. Er hat sich angewöhnt, Anderen Getränke mit zwei Händen einzuschenken, eine gängige Respektbezeugung Ranghöheren gegenüber. Im Job hat Wieland einen Ausländer-Bonus. Wenn er Informationen benötigt, und der Ansprechpartner nicht da ist, setzt er sich einfach über die Rangordnung hinweg. „Als Ausländer ist das schon mal möglich.“ Wieland möchte gerne die nächsten Jahre in Korea bleiben. Sein Vertrag läuft über ein Jahr und verlängert sich automatisch. Seine Aufstiegschancen im Unternehmen schätzt er gut ein. Eigentlich werde nach Dauer der Firmenzugehörigkeit befördert, aber als Ausländer habe man viel mehr Verantwortung als ein Koreaner in gleicher Position. „Die Koreaner trauen Ausländer manchmal mehr zu – besonders, wenn man aus einem Land kommt, das sie für entwickelter halten.“

Seine Kollegen fragen ihn gerne, wie Ausländer ihr Land sehen. Die meisten dieser Fragen betreffen das Essen, sagt Wieland, „etwa, ob ich schon mal Soju-Schnaps getrunken habe oder Kimchi mag, diesen speziell zubereiteten Chinakohl.“ Mit dem Essen hat er keine Probleme. „Es ist zwar sehr scharf, aber das meiste kann man gut essen“, sagt er. Das Ausgefallenste, was er bisher gegessen hat, war eine Tintenfischsuppe, für die der Tintenfisch lebendig ins kochende Wasser geworfen und am Tisch gekocht wurde. „Es hat relativ gut geschmeckt“, sagt Wieland, „aber ungewohnt war es schon.“

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