Leben und arbeiten in Tel Aviv
Juristisches Risiko

Der Rechtsanwalt Thomas Franz entdeckte Israel im Schüleraustausch und wurde "infiziert". Heute schlägt er sich beruflich durch das Land seiner Träume. Besonders schätzt er das Arbeitsklima unter Israelis.

TEL AVIV. Thomas Franz schlägt als Treffpunkt ein Restaurant im alten Hafen vor. Mit Tischen direkt am Mittelmeer und einer leichten Brise. So ganz nach Geschmack des 35-jährigen Rechtsanwalts aus Köln, der seit drei Jahren in Tel Aviv lebt. "Ich hatte einfach das Gefühl, mit dem Umzug das Richtige für mich zu tun."

Mit einem Schüleraustausch 1990 hatte alles angefangen. Da sei er von dem "Israel-Virus" infiziert worden, kam immer wieder zu Besuch und absolvierte auch seinen Zivildienst bei Aktion Sühnezeichen in einem Tel Aviver Altersheim. Vor dem endgültigen Sprung ins Land seiner Träume brachte Franz aber noch eine Banklehre hinter sich sowie ein komplettes Jurastudium.

Er sei einer, der die Dinge gerne bis zum Ende durchziehe, sagt er. Aber eine typisch deutsche Juristen-Karriere schwebte ihm dabei nicht vor. Dass Israel für ihn berufmäßig erst einmal ein Risiko bedeutete, wusste er. Aber auch, dass er dafür entschädigt werden würde. "Ich lebe hier viel intensiver und zufriedener. Vielleicht hat das mit der prekären Sicherheitslage zu tun, aber die Menschen besitzen eine Spontaneität, die den Deutschen abgeht. Eine ganze Geburtstagsfeier kann sich in einen Tanzsaal verwandeln, ohne dass ein Tropfen Alkohohl fließt. Das hat mich schon als Jugendlicher schwer beeindruckt." Gearbeitet hat Thomas Franz bisher immer wieder mit Unterbrechungen, auch weil es gar nicht so leicht war, eine Arbeitsgenehmigung zu bekommen. Sein mühsamer Übertritt zum Judentum, der ihn zum Einwanderer machte, hat die Sache schließlich vereinfacht.

Als Stipendiat sitzt er gerade an einer Forschungsarbeit über den "Einfluss der deutsch-israelischen Juristen auf das israelische Zivilrecht". Danach hofft er auf einen Job bei einer der großen deutschen Firmen mit einer hiesigen Vertretung.

In Israel werde ohne Frage hart gearbeitet, sagt Franz, der bisher in verschiedenen Anwaltskanzleien Erfahrungen gesammelt hat, allerdings fehle es an der deutschen Vorausplanung und Ordnung. "Häufig hat man das Gefühl, die Sache wird nicht zuende gedacht." Er schätzt das Arbeitsklima, das von einem "sehr offenen Umgang miteinander" geprägt sei und ohne Ehrfucht vor Hierarchien.

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