Lehrer auf Zeit
Topstudenten helfen an Brennpunktschulen

Immer mehr Bundesländer etablieren das amerikanische Projekt „Teach First“. Nach einem dreimonatigen Schnellkurs werden Elite-Hochschulabsolventen mit einer Lehrerlizenz ausgestattet und in Problemschulen eingesetzt. Dort unterrichten sie für zwei Jahre und versuchen, ihren Elan und Optimismus auf die Schüler zu übertragen.

DÜSSELDORF. Noch vor einem halben Jahr sah es düster aus für die Gründerin von „Teach First Deutschland“. Die Gehaltskasse für die Mitarbeiter war leer, von Unternehmen gab es nur lockere Zusagen über Finanzhilfen, kein Bundesland hatte einen Vertrag unterschrieben, erinnert sich Kaija Landsberg. Die 30-Jährige vermittelt bei der Organisation „Teach First“ Uniabsolventen mit Spitzennoten an Schulen in Brennpunktvierteln.

Doch der Traum von Gründerin Landsberg drohte zu platzen. Und die Zeit wurde knapp. Schließlich sollte das Projekt im Sommer 2009 starten. Da musste Landsberg noch mal richtig die Ärmel hochkrempeln, die Klinken von Wirtschaft und Politik kräftig putzen – und für viel Öffentlichkeit sorgen. Mit Erfolg. Jetzt, Anfang Februar, kann Landsberg eine stolze Bilanz vorweisen: Neben Berlin hat sie auch Hamburg und vor allem das bevölkerungsreichste Bundesland, Nordrhein-Westfalen für das Projekt verpflichten können. Mit Hessen verhandelt die Geschäftsführerin von „Teach First“ bereits.

Für den größten Batzen, den jährlichen Finanzierungsbedarf von 2,5 Mio. Euro hat Landsberg Sponsoren wie die Deutsche Post, Lufthansa und den Mobilfunkkonzern Vodafone gewinnen können. Damit ist gesichert, dass im nächsten Schuljahr 100 Eliteabsolventen als zusätzliche Lehrer an deutschen Haupt-, Real- und Grundschulen unterrichten.

Gepaukt wird vorher in einem dreimonatigen Schnellkurs, was Lehrer sonst in mühsamer Ausbildung lernen: Didaktik, Psychologie und Pädagogik. Ganze zwei Jahre sollen Bildungsverlierer und künftige Führungskräfte vor allem eins: voneinander lernen. „Unsere Fellows sollen Vorbilder sein und selbst sensibel für die Probleme anderer Schichten werden“, erklärt die Gründerin ihr Konzept.

Doch gesellschaftliches Engagement ist nicht allein der Grund, warum Kaija Landsberg schon jetzt eine Menge überzeugender Bewerbungen auf dem Tisch hat. Denn mit der Lehrerlizenz sind für die Eliteabsolventen attraktive Praktika in der Wirtschaft und eine Managementausbildung verbunden. Viele Unternehmen sind überzeugt, dass durch eine solche außergewöhnliche Erfahrung ein neuer Typ Chef entsteht. „Wer in der Schule war, kann Konflikte lösen und kann mit Menschen umgehen. Das bekommt man bei keinem Masterstudiengang beigebracht“, sagt Deutsche-Post-Chef Frank Appel.

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