Leitungsfunktion bestritten: „Spiegel“-Chef Aust klagt weiter um Arbeitsvertrag

Leitungsfunktion bestritten
„Spiegel“-Chef Aust klagt weiter um Arbeitsvertrag

Der Chefredakteur des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", Stefan Aust (61), geht weiter gerichtlich gegen seine Kündigung zum Ende dieses Jahres vor. Bei einem Gütetermin am Montag vor dem Arbeitsgericht in Hamburg wurde keine Einigung zwischen Aust und dem Spiegel-Verlag erzielt.

dpa HAMBURG. Die Vorsitzende Richterin der 11. Kammer, Susanne Wendt, setzte einen neuen Verhandlungstermin für den 7. Mai fest. Aust, der sich vor Gericht von den Hamburger Anwälten Matthias Prinz und Rolf Stahmer vertreten ließ, hatte Kündigungsschutzklage eingereicht.

Austs Vertrag war im November 2007 auf Initiative des Mehrheitseigners des Spiegel-Verlags, der Mitarbeiter KG, nicht über Ende 2008 hinaus verlängert worden. Der Blattmacher ist der Auffassung, dass sein Vertrag mindestens bis Ende 2010 wirksam ist. Bei der Verhandlung im Mai müsste geklärt werden, ob es eine Zusage der früheren Geschäftsführung für eine Beschäftigung Austs bis zu diesem Zeitpunkt gegeben hat, kündigte die Richterin an.

Der Journalist ist seit 1987 beim Spiegel-Verlag beschäftigt, seit 1994 als Chefredakteur. Außerdem ist er Herausgeber bei Spiegel TV. Bezüglich dieser Position, die ihm ebenfalls gekündigt wurde, ist Aust der Auffassung, dass er sie bis 2013 ausüben kann.

Aust sieht keinen Grund, "der geeignet wäre, die Kündigungen gemäß Kündigungsschutzgesetz zu rechtfertigen". Laut Gericht könnten die Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis eines leitenden Angestellten jedoch auch ohne Vorliegen eines Kündigungsgrundes durch ein Urteil auflösen lassen - gegen Zahlung einer Abfindung. Austs Anwälte bestritten, dass ihr Mandant eine Leitungsfunktion hat, und wollen deshalb von der Gegenseite wissen, ob der Betriebsrat vor der Kündigung "ordentlich angehört" wurde. Auch wenn beide Seiten deutlich machten, dass sie für eine Lösung der strittigen Fragen noch weit auseinanderliegen, wollen sie sich weiterhin um eine außergerichtliche Einigung bemühen. Uneins sind sie auch in der Anrechnung einer Garantietantieme bei Austs Jahresvergütung.

Nach bisher unbestätigten, aber vom Spiegel-Verlag auch nicht dementierten Berichten soll das Nachrichtenmagazin künftig von einer Doppelspitze geführt werden. "Spiegel Online"-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron und der Berliner Büroleiter Georg Mascolo sollen gemeinsam die Nachfolge von Aust antreten. Neben der Mitarbeiter KG (50,5 Prozent) sind auch der Verlag Gruner+Jahr (25,5 Prozent) und die Erben von "Spiegel"-Gründer Rudolf Augstein am Spiegel-Verlag beteiligt.

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