Lernen von Elite-Studenten
Manager im Klassenzimmer

Kaija Landsberg hat sich ein hehres Ziel gesetzt: nichts Geringeres als die Reform des deutschen Bildungssystems. Im vergangenen Jahr hat die 29-Jährige dazu die Bildungsinitiative Teach First gegründet. Nach US-Vorbild sollen Hochschulabsolventen Schüler an Schulen in sozialen Brennpunkten unterrichten.

„In Deutschland gibt es nicht für alle dieselben Chancen, Bildung zu bekommen und so aufzusteigen“, sagt Kaija Landsberg. Das gelinge nur mit motivierten Lehrern, die sich voll und ganz einbringen und jeden Schüler in seinen Möglichkeiten fördern. Solche Lehrer, sagt sie, brauche Deutschland viel mehr.

Die Lösung für das Problem hat sie in New York gefunden – bei Teach America. Ein Besuch bei einer Schule in Harlem hat sie überzeugt. „Klischeehaft“, wie sie selbst zugibt, aber es sei nun mal so gewesen. „Da saß ein Polizeibeamter an der Tür, und man musste seinen Personalausweis abgeben, um reinzukommen.“ Im Klassenzimmer habe dann eine junge Stanford-Absolventin mit Drittklässlern „Romeo und Julia“ gelesen. „Die Kinder waren begeistert von Shakespeare.“

Die von ihr ausgesuchten Absolventen gehen nicht an die Schulen, um zu bleiben, sondern „um zwei Jahre lang Erfahrungen zu sammeln“, sagt Landsberg, und so soziales Engagement mit Karriere zu verbinden. Um dann weiterzuziehen – „in die Wirtschaft, in die Politik, in den Journalismus“ –, um irgendwann in Positionen zu sein, in denen sie „die großen Räder drehen und etwas am System verändern“, sagt sie.

Im dunklen Jackett sitzt sie in Berlin, in einem der Besprechungsräume der Hertie School of Governance, die Teach First die Räume zur Verfügung stellt. Büros und Konferenzräume, die von sozialen Brennpunkten ähnlich weit entfernt sind wie Landsbergs Kindheit. „Ich bin im behüteten Freiburg aufgewachsen, sogar auf eine Waldorf-Schule gegangen“, sagt sie selbstironisch.

Eigentlich wollte sie immer ans Theater, Schauspielerin oder Bühnenbildnerin werden. Schließlich studierte sie Amerikanistik, Politik und Völkerrecht und arbeitete in Studentenprojekten für die Uno. Ein erstes Konzept für Teach First hat sie in ihrer Masterarbeit entwickelt. Heute sind die ersten Schritte gegangen, Sponsoren wie Lufthansa und Vodafone gefunden. Die Länder Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen haben der Bezahlung der Lehrer aus öffentlichen Mitteln zugestimmt.

Im Moment sitzt Landsberg mit Kollegen und pädagogischen Beratern vor allem daran, das Konzept für die Ausbildung zu erarbeiten. In drei Monaten sollen die Absolventen auf ihr Lehrerdasein vorbereitet werden. Doch es fehlt noch an geeigneten Absolventen. „Wir suchen an Universitäten oder Begabtenstiftungen“, sagt sie. Ein hehres Ziel.

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