Managementtraining im Kloster
Mönch im Manager

Übers Jahr verteilt finden in Haus Benedikt rund 50 "Kurse für Menschen in beruflicher Verantwortung" statt. Die Klostermauern halten Stress ab und die Manager finden zu sich selbst oder zu einem neuen Arbeitsverständnis. Über ein Führungskräfteseminar der etwas anderen Art.

Die Abendsonne taucht den Speisesaal in freundliches Licht. Pastellgrüne Wände, altes Mobiliar - gemütlich hier. Andreas Wiedmann schiebt sich am Büffet vorbei. Geschirr klappert, hinter den großen Fenstern brummt der Würzburger Feierabendverkehr. Nur eines fehlt: Stimmen. Die 50 Männer und Frauen, die in Haus Benedikt, dem Stadtkloster der Abtei Münsterschwarzach, zum "Curriculum Führen und geführt werden" zusammengekommen sind, kauen auf belegten Broten statt auf den Eindrücken eines Klostertages herum.

"Von anderen Führungsseminaren war ich es gewöhnt, dass die Teilnehmer das Gelernte sofort bereden - oder auch zerreden. Dem schiebt das Schweigen einen Riegel vor. Die Seminarinhalte können sich setzen", sagt Wiedmann, nachdem der Kursleiter mit einem Klangholz den Bann gebrochen hat. Gedämpfte Unterhaltung setzt ein, während die Tische abgeräumt werden. Alle helfen mit - auch daran müssen sich Seminarlöwen erst gewöhnen. Ebenso wie an Zimmer ohne Minibar und Videokanal. Der Reiz des Ungewohnten ist einer der Gründe, warum Managementtrainings im Kloster Konjunktur haben. Führungskräfte tanken auf: Kraft fürs Büro und Ideen für eine bessere Business-Welt.

Übers Jahr verteilt finden in Haus Benedikt rund 50 "Kurse für Menschen in beruflicher Verantwortung" statt. Geschäftsführer kommen genauso wie Controller und Ingenieure. Aushängeschild im Programm ist das "Curriculum Führen und geführt werden", das vier Bausteine von jeweils drei Tagen Dauer enthält: "Menschen führen - Organisationen leiten", "Sich selbst führen", "Miteinander reden" und "Authentisch sein". Zu jedem Baustein gehört ein Vortrag von Pater Anselm Grün, dem wirtschaftlichen Leiter der Abtei Münsterschwarzach und Autor mehrerer Bücher über Lebenshilfe.

Kursleiter Friedrich Assländer, der nach seinem BWL- und Psychologiestudium Führungskraft in einem Finanzkonzern war und sich seit 25 Jahren mit Meditation und Zen-Buddhismus beschäftigt, will seinen Seminarbesuchern zweierlei mitgeben: "Zum einen Handwerkszeug von Zeitmanagement bis Konflikttraining. Zum anderen wollen wir ihnen zeigen, dass zum beruflichen Erfolg mehr nötig ist als Methodenwissen: nämlich die Fähigkeit, die andere Seite der Dinge zu sehen, sich und die Umwelt zu hinterfragen."

Täglich stoßen Menschen im Beruf an ihre Grenzen. Immer neue Aufgaben, wechselnde Teams, Druck von allen Seiten - da kommen viele nicht mit. "Sie überlegen, ob es noch etwas anderes außer einem guten Tagesplan gibt, das sie trägt", beobachtet Assländer. "Sie fragen: Was für einen Sinn hat mein Tun, mein Leben?" In einem Satz lässt sich diese Frage nicht beantworten, weil kein Mensch wie der andere ist. "Jeder muss für sich in sein Inneres horchen. Das ist eine spirituelle, also geistige Erfahrung. Sie kann ich nicht beschreiben oder nachlesen, ich muss sie machen."



Es ist Montag, um die Mittagszeit, und Andreas Wiedmann stellt seinen Wagen hinter Haus Benedikt ab. Motor aus, Managersein aus, Mensch- und ein kleines bisschen Mönchsein an. Bis Mittwochabend hat der 44-Jährige, der als Personaler bei British Telecom Deutschland in München arbeitet, Zeit für sich und zum Nachdenken, was "authentisch sein" heißt und was ihm die drei vorangegangenen Module des Curriculums gebracht haben.

Seite 1:

Mönch im Manager

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%