Managergehälter
Fat Cats geht es an den Kragen

Gehälter von Führungskräften sind schon lange ein Reizthema. Nun wächst aber selbst in den kapitalistischen Hochburgen Englands und der USA die Kritik an den üppigen Verdiensten der Manager. Speziell die Sonderprämien stoßen übel auf. Schärfere Regelungen sind die Folge – Aktionäre wird das freuen, die Unternehmenslenker weniger.

NEW YORK/DÜSSELDORF/LONDON. Extrem hohe Managergehälter und ausufernde Prämien stoßen weltweit auch bei institutionellen Anlegern auf Kritik. Das Thema bewegt vor allem Investoren in den angelsächsischen Ländern. Selbst in den USA werden einige „Fat Cats“ mittlerweile als Abzocker bezeichnet. In Deutschland ist das üppige Optionsprogramm des ehemaligen Daimler-Chefs Jürgen Schrempp in der Diskussion. Und Gerhard Cromme, Chef der Regierungskommission Corporate Governance, hat das Thema Abfindungen auf die Agenda gesetzt.

In London sorgt derzeit der Telekom-Ausrüster Cable & Wireless für Debatten. Bei seiner Einführung wurde das Entlohnungspaket noch als fortschrittlich gepriesen. Das verlustträchtige Unternehmen hatte für seine 60 Top-Manager einen Prämienpool von mehr als 200 Mill. Pfund (300 Mill. Euro) ausgelobt, falls diese es schaffen, den Aktienkurs bis 2010 mehr als zu verdoppeln. Kein einzelner Manager sollte aber mehr als 20 Mill. Pfund bekommen.

Diese Obergrenze will das Unternehmen nun abschaffen, denn das Ziel ist schon nach einem Jahr in greifbare Nähe gerückt. Außerdem hat sich nun auch der Chairman Richard Lapthorne, dessen Funktion einem deutschen Aufsichtsratschef entspricht, eine Prämie von bis zu elf Mill. Pfund zusichern lassen.

Solche Sonderprämien, die gezielt ausgelobt werden, kommen in Mode. John Leahy, der Chef der führenden Supermarktkette Tesco, darf sich auf 11,5 Mill. Pfund extra freuen, falls ihm der Start der neuen Ladenkette in den USA gelingt. „Einige Leute würden argumentieren, dass das einfach zu seinem Job gehört“, sagt Peter Montagnon, der Leiter für Investitionsangelegenheiten des Versicherer-Verbandes ABI, diplomatisch. Montagnon, der vielleicht einflussreichste Corporate-Governance-Wächter der City, beklagt Fehlentwicklungen, mag sich aber nicht der medialen Stimmung gegen „Fat Cats“ anschließen. „Individuell mögen manche dieser Sonderprämien gerechtfertigt sein, aber insgesamt bereitet uns der rapide Anstieg der Gehälter Sorgen“, sagt er.

Auch Michael Kramarsch von der Unternehmensberatung Towers Perrin zweifelt am Sinn der Extraprämien. „Wir brauchen nicht mehr Möhren, sondern wir brauchen Incentives, die sich am langfristigen Unternehmenserfolg orientieren.“ Deutsche Unternehmen, sagt Kramarsch, seien bisher glücklicherweise nicht dem „Raubrittertum angelsächsischer Länder“ verfallen. Auslöser extremer Gehaltssteigerungen oder Prämien sind immer wieder Private-Equity-Fonds. Sie versprechen Managern lukrative Beteiligungen im Falle eines erfolgreichen Verkaufs des Unternehmens an ihren Fonds. Oder sie provozieren Abwehrstrategien des Managements, deren Erfolg mit Sonderprämien vergoldet wird.

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