Managergehälter
Mit zweierlei Maß

Deutsche Top-Manager rechtfertigen ihre hohen Bezüge gerne mit dem Hinweis auf teure US-Kollegen. Noch gibt es aber gar keinen internationalen Markt für Führungskräfte. Langfristig wird sich das zwar ändern. Doch dann müssen sich die Chefs auch mit den asiatischen Kollegen vergleichen lassen – und die sind um ein vielfaches billiger.

DÜSSELDORF/TORSTEN RIECKE. „Siemens spielt in der Champions League, nicht in der bayerischen Landesliga“, verteidigte unlängst Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer die kräftige Gehaltserhöhung für Siemens-Vorstände. „Und wie bei Bayern München kriegen wir nur dann die Spitzenleute, wenn wir sie angemessen bezahlen.“ Auch Deutschlands Spitzenverdiener unter den Top-Managern, Josef Ackermann, nimmt für sich und seine Vorstandskollegen bei der Deutschen Bank nur die weltweite Crème de la Crème der Geldbranche als Maßstab.





 Diskrete Kontaktaufnahme zu Headhuntern und Personalchefs, Jobs für Fach- und Führungskräfte: Melden Sie sich jetzt an!





Dabei gibt es – von wenigen Ausnahmen abgesehen – gar keinen internationalen Markt für Führungskräfte, sagen Experten. „Wenn es einen weltweiten Markt für Vorstände gäbe, dann wären die deutschen Vorstandsetagen schon längst entvölkert“, sagt Michael Kramarsch, Deutschland-Chef der US-Beratungsfirma Towers Perrin. Kramarsch verweist dabei auf die erheblich attraktiveren Vergütungen in den USA. Maßstab für die Bezahlung von 90 Prozent aller Führungskräfte sei Deutschland, vielleicht noch Europa.





» Alle offenen Stellen der führenden Tageszeitungen und Online-Portalen auf einen Blick





Gewerkschaftern treibt dieses internationale Benchmarking ohnehin den Zorn ins Gesicht. Denn Arbeitnehmer und Angestellte werden mit demselben Argument zu Lohnverzicht und längeren Arbeitszeiten ohne Ausgleich gedrängt. Bei Managern, so der Eindruck, geht es dagegen nur aufwärts.

Zeiten für Manager werden härter

Doch die Zeiten werden auch für Führungskräfte härter, glauben Personalberater. So beobachtet Alexander von Preen, Geschäftsführer bei Kienbaum Consultants, dass schon jetzt der Standortwettbewerb und damit die Höhe des Gehalts nicht nur die Arbeiter im Blaumann, sondern auch Führungskräfte betrifft. „Bei der Verlagerung ganzer Abteilungen nach Südostasien sind heute bereits Leitungsfunktionen dieser Abteilung betroffen“, sagt von Preen. Und der Chef einer Produktion sei immerhin zweite oder dritte Führungsebene.

Steve Gross hält es gar für möglich, dass auch Top-Positionen wie andere Arbeitsplätze in Billiglohnländer verlagert werden können. „Es gibt keinen Grund, warum das Management eines Herstellers von Elektronikteilen seinen Sitz noch in Amerika hat, wenn die wichtigsten Produktionsstätten und Zukunftsmärkte in Asien liegen“, sagt der Partner der Unternehmensberatung Mercer in Philadelphia.

Nach den Beobachtungen des Kienbaum-Beraters von Preen gehen deshalb vor allem junge europäische Führungskräfte beispielsweise nach Südostasien, um dort für längere Zeit zu arbeiten – und das zu den dortigen Bedingungen.

Seite 1:

Mit zweierlei Maß

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%