Manchmal hilft nur das Weggehen
Wenn Sie der Chef beleidigt

Wer wie die Situation retten kann, wenn jemand im Job blamiert wird Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Der Mann lief knallrot an. Alle 15 Anwesenden starrten ihn an - es war peinlich für alle. In einem Meeting hatte die Marketingchefin mit dem Vorstand neue Pläne für ein Projekt ihrer Abteilung gestreift. Der dafür verantwortliche Mitarbeiter hörte dies zum ersten Mal. Die Chefin aber tat ihn ab: "Das wissen Sie noch nicht, das erzähle ich Ihnen später." Alle verstanden: Die Chefetage war unzufrieden mit den Ergebnissen, nur gesagt hatte es dem armen Betroffenen niemand. Der so Bloßgestellte tat das einzig richtige: Er schwieg - und bewies Haltung.

Zwei Tipps sind in diesem Moment ganz wichtig: Lassen Sie Ihren Kritiker ausreden und schauen Sie ihn dabei an. So souverän wie möglich, aber nicht provozierend. Sehen Sie auf keinen Fall beschämt weg. Bevor Sie etwas sagen, warten Sie unbedingt fünf Sekunden. Das sichert Ihnen ungeteilte Aufmerksamkeit und bewahrt Sie vor unkontrollierten Äußerungen, über die Sie sich womöglich später ärgern. So beweisen Sie Professionalität und Stil.

Geschieht so eine Blamage nur intern, vor den engsten Kollegen, sollte der Betroffene so reagieren: "Ich möchte darüber gerne erst einmal unter vier Augen mit Ihnen sprechen." Insistiert der Chef immer weiter, ist Beherrschen angesagt. Lassen Sie es über sich ergehen. Beweisen Sie die Professionalität, die dem Chef selbst fehlt.

Wird der Vorgesetzte allerdings beleidigend, müssen Sie etwas sagen: "Ich fühle mich persönlich angegriffen, das sollten wir zu zweit besprechen." Dann dürfen Sie sogar rausgehen, Sie machen sich unangreifbar und die Situation ist wenigstens beendet.

Rettend eingreifen darf dann auch ein dienstälterer Kollege. Es zeugt von Zivilcourage, wenn er versucht, die Situation zu retten. "Wir kommen so nicht weiter, können wir bitte zur Sache zurück kommen." Themenwechsel und Ablenken ist die Devise. Das darf jeder, unabhängig von seiner Stellung in der Hierarchie.

Übrigens hatte die Marketingchefin Glück, dass ihr dieser Fauxpas im Inland passierte. Sie zeigte ihre Charakterschwäche und fehlende Führungsqualität. In Asien hätte sie ihrer Firma künftige Geschäfte verbaut: Der nächste Auftrag ginge garantiert an den Mitbewerber - egal wie gut das Produkt ist. Asiaten machen Geschäfte mit einzelnen Menschen, denen sie vertrauen. Nicht mit dem guten Namen eines Unternehmens. Vorstände sollten nur authentische Führungskräfte ins Ausland senden, die echte Umgangsformen haben und keine antrainierten. Sonst wird es teuer - der Firma entgehen zu viele Aufträge.

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