MBA als Plan B
Banker sitzen die Finanzkrise aus

Am Dienstag begann für den Banker Aaron Scott ein neuer Lebensabschnitt. Der 32-Jährige hat sich eine Auszeit genommen, ist nach Barcelona gezogen und macht nun seinen MBA an der dortigen ESADE Business School. Wie Scott bewerben sich immer mehr Banker an den Business Schools und sitzen so die Finanzkrise aus.

In den letzten Monaten war Aaron Scotts Job in Zürich bei der krisengeschüttelten Schweizer Großbank UBS alles andere als normal. Zum Tagesstress kam die Sorge, den Job zu verlieren. Schließlich ist die UBS eine der Banken, die im Herbst staatliche Hilfe brauchte. "Ich bin froh, für ein Jahr raus zu sein", sagt Scott.

Seinen MBA hat er schon seit zwei Jahren geplant. Daran gedacht, das Studium jetzt zu verschieben, hat er nicht. "Natürlich ist das Risiko auszusteigen größer als vor der Krise", sagt Scott. Zumal er für seine Weiterbildung 47 500 Euro Gebühren hinlegen und das Leben in Barcelona finanzieren muss. Doch er ist sich sicher, dass er von seinem Vollzeit-MBA profitieren, sein Netzwerk erweitern und herausfinden wird, wo seine berufliche Zukunft liegt. Und 2010 werde es interessante Stellen speziell für MBA-Absolventen geben, ist er überzeugt. Der Aufbauprozess werde beginnen. "Ich möchte dann in der Mitte eines schöpferischen Hurrikans sein."

Ob er die Krise mit dem MBA überbrückt? "Definitiv", antwortet Scott. Er erwartet auch, dass in seiner Klasse mehr Banker sind, als in früheren Jahrgängen. Der MBA ist eine Möglichkeit, die Krise zu umschiffen, vor allem für all jene, die einen Job in der gebeutelten Finanzindustrie haben - oder hatten. "Etliche Kandidaten aus dem Finanzsektor wollen die Krise aussitzen und mit dem MBA ihr Wissen erweitern", sagt Camila de Wit, die die Bereiche Admissions und Career Service bei ESADE leitet. Dort und an einigen anderen Business Schools steigt daher die Zahl der Bewerber aus dem Finanzsektor. Und das sogar in Bereichen, in denen es die Schulen selbst nicht erwartet hätten.

Acht bis zehn Prozent mehr Bewerber aus dem Finanzsektor haben ESADE ihre Unterlagen für den nächsten Vollzeit-MBA geschickt. An der führenden chinesischen Schule, der China Europe International Business School (CEIBS) ist es gar ein Plus von mehr als 50 Prozent, die Gesamtzahl der Bewerbungen stieg um ein Fünftel. Die steigenden Bewerberzahlen sind zwar nicht nur durch die Krise begründet, aber einen gewissen Anteil hat sie schon. Lydia J Price, akademische Direktorin des MBA-Programms an der CEIBS, meint, dass einige Bewerber ihren Job verloren haben und in der Krise einen guten Zeitpunkt für den MBA sehen. Und etliche, die früher einfach keine Pause vom Job genommen hätten, würden nun noch einmal an eine Hochschule zurückgehen.

Auch Wolfgang Murmann hat unbewusst einen guten Zeitpunkt für seinen Master gewählt. Schon Anfang 2007 stand für den 30-Jährigen fest, dass er wieder studieren will. Seit Herbst vergangenen Jahres büffelt der Investmentbanker von Dresdner Kleinwort nun an der Cass Business School. "Ich verpasse in der Finanzwelt gerade nichts", sagt Murmann.

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