MBA
Lehrstätten für Finanzjongleure

Die Business Schools der Topuniversitäten geraten in Misskredit. Kritiker meinen, sie hätten falsche Inhalte gelehrt und den Schwerpunkt zu sehr auf kurzfristige Gewinne und hohe Aktienrenditen gelegt. Professoren versuchen nun, ihre Studenten stärker zu kritischem Denken anzuregen als bislang.

LONDON. Ich schreibe als Absolvent der Harvard Business School", meldete sich Buchautor Philip Delves Broughton kürzlich in der Londoner "Sunday Times" zu Wort, "bisher galt so ein Titel als Ticket für ein Leben in Wohlstand, jetzt ist es eher eine Abkürzung für Schande." "MBA (Masters Degree of Business Administration)", das könne heute eigentlich eher für "mediocre but arrogant (mittelmäßig aber arrogant)" stehen, oder für "me before anyone (ich vor allen anderen)" oder "management by accident (Management mittels Unfällen)". Vorläufig sollte man die MBA-Absolventen "Master der Business Apocalypse" nennen.

In Wirtschaftsmagazinen, auf Webseiten und in der einschlägigen Presse ist eine Diskussion entbrannt, ob die Business-Schools als Trainingslager der gescheiterten Finanzelite mit ihren Anleitungen zur Gewinnmaximierung über hohe Verschuldung (leveraging), oder zur Konstruktion komplizierter Finanzprodukte mitschuldig sind an der Finanzkrise.

In den Eliteschulen ist die Diskussion offenbar angekommen. Auf den Fluren und in den Hörsälen der Kaderschmieden der Wirtschaftselite ist die Finanzkrise ständiges Thema. Die Studenten wollten Erklärungen für das, was an den Finanzmärkten passiert sei, sagt Stefan Szymanski von der Londoner Cass Business School. "Wenn Sie die Krise nicht plausibel erklären können, dann kommen Ihre Vorlesungen erst gar nicht richtig in Gang."

Manche Professoren versuchen jetzt, ihre Studenten stärker zu kritischem Denken anzuregen als bislang. "Sie können einem Kunden kein Finanzprodukt verkaufen, wenn Sie es selbst nicht genau verstehen", warnt zum Beispiel Michel Baroni von der Essec Business School in Paris seine Studenten.

Doch solche Töne sind neu. Und es bleibt offen, ob die Business Schools nicht auch diesmal hinterherhinken. Immer wieder ist es vorgekommen, dass in den Fallstudien, die in den Lehrcamps für künftige Spitzenmanager Unterrichtsstoff sind, genau die Firmen und Banken als vorbildliche Beispiele präsentiert wurden, die später besonders dramatisch scheiterten. So präsentierte Harvard in den Vorlesungen der späten 90er-Jahre den Energiehandelskonzern Enron als vorbildliches Beispiel moderner Unternehmensstrategie. Kurz darauf legte Enron den größten Bankrott der US-Geschichte hin. Übrigens, das erwähnt Autor Broughton, war auch Vorstandschef Jeffrey Skilling Harvard-Absolvent. "Business School haben eine bemerkenswerte Fähigkeit, ökonomische Katastrophen, die sich vor ihren Augen entwickeln, vollständig zu übersehen", meint Broughton.

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