MBA-Studium
Mehr als nur Profit

Sozial denken, unternehmerisch handeln – Business Schools entdecken das Thema Social Entrepreneurship. Weltweit gibt es immer mehr Studenten, die mit innovativen Konzepten zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen wollen. Inzwischen gibt es auch in Deutschland erste Ansätze, soziale Projekte ins MBA-Studium zu integrieren.

HB. Anna Blackman ist alles andere als eine typische MBA-Studentin. Nach ihrem Anthropologiestudium und einer Weiterbildung zur Journalistin, Fotografin und Dokumentarfilm-Produzentin gründete die Britin vor zehn Jahren die Non-Profit-Organisation Photovoice, die unterpriviligierten Randgruppen ein Training in Fotografie und Kommunikation ermöglicht. Inzwischen sorgt ein professionelles Management dafür, dass die weltweiten Projekte erfolgreich laufen und die Finanzierung durch Spenden und Fördergelder gesichert ist.

Nun will die 33-Jährige ein richtiges Sozialunternehmen gründen, also eine profitable Firma, die ein Produkt oder eine Dienstleistung mit einer positiven Wirkung für Gesellschaft und Umwelt anbietet. Blackman bewarb sich daher für ein MBA-Stipendium des Skoll Centre for Social Entrepreneurship an der Said Business School in Oxford. Mit Erfolg. Nun büffelt sie zusammen mit über 200 anderen MBA-Studenten Kostenrechnung und Strategie. „Das ist schon eine ganz andere Welt“, erzählt die MBA-Studentin.

Wie Anna Blackman interessieren sich immer mehr MBA-Studenten für das Thema Social Entrepreneurship. Entdeckt wurde das Thema von dem Amerikaner Bill Drayton, der 1980 in Washington die gemeinnützige Organisation Ashoka gründete und seitdem Sozialunternehmer in aller Welt unterstützt. In Europa rief 2001 der Gründer des Weltwirtschaftsforums in Davos, Klaus Schwab, eine Stiftung für Social Entrepreneurship ins Leben.

Breitere Aufmerksamkeit bekam das Thema jedoch erst, als Muhammad Yunus 2006 den Friedensnobelpreis bekam. Mit seiner 1983 gegründeten Grameen Bank hat der aus Bangladesch stammende Wirtschaftswissenschaftler gezeigt, wie man mit innovativen Konzepten zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen kann. Grameen war die erste Bank, die Armen Kleinkredite ohne Sicherheiten gewährte, und ihnen so die Chance bot, mit eigener Kraft ihrer Armut zu entkommen. Heute gilt die Mikrofinanzierung als wirtschaftlich erfolgreiches Modell, das inzwischen auch von traditionellen Banken übernommen wird.

Auch an den Business Schools findet das Thema zunehmend Einzug. Vorreiter waren die USA. So gibt es zum Beispiel an der Stanford University ein Center for Social Innovation, das bereits mehr als 60 Fallstudien zu diesem Themenkomplex verfasst hat. Social Entrepreneurship gehört an der Stanford Graduate School of Business nicht nur zu den Wahlfächern, sondern ist auch in zahlreiche andere MBA-Kurse wie „Biodesign Innovation“ oder „Evaluation von unternehmerischen Chancen“ integriert. Vielfältige Wahlkurse bietet auch das Center for the Advancement of Social Entrepreneurship (CASE) an der Fuqua School of Business der Duke University, dessen Gründer Professor Gregory Dees als akademischer Pionier in dem Fachgebiet gilt.

Aber auch Europa holt auf. Hier gilt das 2003 dank einer 4,44 Millionen Pfund schweren Spende des ersten Ebay-Präsidenten Jeffrey Skoll gegründete Skoll Centre for Social Entrepreneurship an der Said Business School der University of Oxford als führend. Dort gehört das Thema auch im einjährigen MBA-Studiengang zum Pflichtprogramm für alle Studenten. Und am Instituto de Empresa (IE) in Madrid gibt es eine entsprechende Vertiefungsrichtung. Hier müssen die Studenten einen Businessplan für ein Sozialunternehmen schreiben und haben zudem die Möglichkeit, im Venture Lab, dem Inkubator der Schule mit der Bank Caja Madrid, ihre Geschäftsideen mit professioneller Unterstützung auszuarbeiten.

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