Mehr als Alibi-Veranstaltungen
Anschauungsunterricht aus dem Gefängnis

Führende US-Business Schools setzen „Business ethics“ auf den Lehrplan: Manager müssen lernen, „nein“ zu sagen. Verurteilte Manager schildern, wie „es“ passierte.

Als Professor Angel Cabrera, Dean des Instituto de Empresa (Madrid), im Juli in einem Beitrag für das Handelsblatt eine Art Hippokratischen Eid für Manager forderte, konnte er nicht ahnen, welche Debatte er damit lostreten würde. Obwohl der Chef einer der führenden europäischen Business Schools vor allem den „alten Kontinent“ im Blick hatte, tobt die Diskussion vor allem in den USA, wie sich an unserer Website unter www.handelsblatt.com/ethik ablesen lässt.

„Die US-Business Schools haben Manager hervorgebracht, die solche Skandale wie Enron zu verantworten haben“, kommentiert ein deutscher Personalvorstand und setzt hinzu: „Es ist doch klar, dass die sich Gedanken machen müssen. Das ist ein amerikanisches Problem.“

Tatsächlich setzen alle führenden US-Business Schools „Business ethics“ auf den Lehrplan oder die Dozenten werden angehalten, in ihren Kursen das Ethik-Problem anzusprechen. Manche Schulen schicken ihre Studenten mittlerweile „auf Besuch“ ins Gefängnis oder laden abgeurteilte Manager zu Podiumsdiskussionen ein.

Und auch der Idee eines Hippokratischen Eides für Absolventen kann man etwa am legendären MIT Positives abgewinnen: „Wir sind dabei, die Managerausbildung neu zu erfinden“, erklärt nicht gerade bescheiden Professor Richard L. Schmalensee, Dean der MIT Sloan School of Business in Massachusets.

Der Verdacht, dass es sich dabei um nicht viel mehr als Alibi-Veranstaltungen handele, eine Modewelle vielleicht, weisen die Schulen von sich. „An der Stern School for Business gibt es seit mehr als dreißig Jahren einen Kurs in ,Professional Responsability’,“ sagt Professor Thomas F. Cooley, Dean der New Yorker Top-Schule. Und an der University Chicago, sonst eher als Vorkämpferin der etwas härteren Form des Kapitalismus bekannt, unterrichtet kein Geringerer als Nobelpreisträger Robert Fogel „Business ethics“, unterstreicht Professor Edward A. Snyder, Dean der University of Chicago Graduate School of Business.

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