Mehr Anreize
Vergütung als Aufsichtsrat wird attraktiver

Mehr Verantwortung und mehr Geld eröffnen erfahrenen Führungskräften, Wirtschaftsprüfern oder Juristen den Weg für eine „zweite Karriere“: Mehr als 500 Aufsichtsräte werden in den Dax-Unternehmen benötigt und auch weltweit steigt der Bedarf. Die Anforderungen an die Räte sind dabei deutlich angestiegen.

FRANKFURT. Mehr Arbeit, mehr Verantwortung und mehr Geld: Für die 526 Mandatsträger in den Aufsichtsräten der deutschen Dax-Unternehmen wird ihre Tätigkeit zunehmend attraktiver. Um durchschnittlich acht Prozent ist die Vergütung gestiegen. Dies ergibt die Studie „Aufsichtsratsvergütung Dax 2007“ der Frankfurter Unternehmensberatung Towers Perrin. Damit lassen sich die deutschen Vorzeigeunternehmen ihre Kontrolle jährlich mehr als 60 Mill. Euro kosten.

Doch nach Ansicht von Michael Kramarsch, Managing Director des Frankfurter Beratungshauses, geht es um mehr als nur finanzielle Aspekte: „Unsere Studie zeigt, dass sich die Aufsichtsratsvergütung in Deutschland weiter im Sinne einer guten Corporate Governance entwickelt.“ Hinsichtlich der Struktur der Vergütung habe sich der Trend zu einem ausbalancierten Mix der Vergütungselemente, sinnvolleren Bemessungskriterien für die variable Vergütung und zu einer stärkeren Belohnung der Ausschusstätigkeit weiter gefestigt. Zudem weisen bis auf zwei Ausnahmen (Fresenius Medical Care und Merck) alle Dax-Unternehmen ihre Bezahlungen an die „Kontrolleure“ vollständig und individuell aus und entsprechen so den Anforderungen des Deutschen Corporate Governance Kodex.

Nach der achtprozentigen Steigerung (nach 16 Prozent plus im Vorjahr) ergibt sich eine durchschnittliche Vergütung von rund 114 000 Euro, was allerdings angesichts der immer noch enormen Unterschiede nicht viel aussagt. So erhält beispielsweise der Aufsichtsratschef (AR-Chef) der Deutschen Bank mit 618 000 Euro fast das Zwölffache seines Kollegen von Merck (51 845 Euro). Diese Spreizung zwischen dem bestbezahlten und niedrigstbezahlten AR-Vorsitzenden hat sich gegenüber den vergangenen Jahren weiter erhöht. Eigentlich wird der AR-Chef von Adidas mit 42 000 Euro noch schlechter entlohnt, aber mit zusätzlichen Beraterverträgen kommt er auf 285 100 Euro. Diese Verquickung von Aufsicht und Beratung sieht Kramarsch kritisch; denn eigentlich sollte der AR nur den Aktionären verantwortlich sein.

Die meisten der befragten Unternehmen (47 Prozent) differenzieren bei der Bezahlung zwischen dem Vorsitzenden, dem stellvertretenden AR-Vorsitzenden und den ordentlichen Mitgliedern mit dem Faktor 2 zu 1,5 zu 1. Auch hier macht die Deutsche Bank die große Ausnahme, die ihrem AR-Chef das Vierfache eines einfachen Mitglieds zahlt.

Keine Überraschung bilanziert die Studie bei der Vergütungsstruktur: Mit Ausnahme von Adidas, Daimler-Chrysler, HypoReal Estate und Fresenius Medical Care setzen alle Dax-Werte auf variable Vergütungselemente. Wobei der Anteil der Unternehmen, die auf die Dividende als Bemessungsgrundlage setzen, seit 2004 kontinuierlich von 79 auf 43 Prozent zurückging. Die anderen Unternehmen greifen vielmehr auf kennzahlenbasierte Bemessungsgrundlagen für die variable Vergütung zurück, vor allem auf den Gewinn pro Aktie, den Brutto-Cash-Flow oder den Gewinn vor Steuern.

Towers Perrin beobachtet auch eine deutlich steigende Nachfrage nach qualifizierten AR-Experten. „Hier handelt es sich um einen internationalen Trend“, merkt Kramarsch an. Weil die AR-Tätigkeit immer anspruchsvoller wird und längst nicht mehr als „Ehrenposten für verdiente Manager“ zu verstehen ist, wird die Tätigkeit als Aufsichtsrat inzwischen schon als „zweiter Karriereweg“ gesehen. Das wäre dann eine durchaus attraktive Alternative für erfahrene Führungskräfte, aber auch für externe Experten wie Wirtschaftsprüfer oder Juristen. Mit der Kumulation von Mandaten sowie der absehbar weiteren Erhöhung der Vergütung für Schlüsselfunktionen, zum Beispiel für den Vorsitz von Ausschüssen, könnten vergleichbare Einkommen wie mit einer traditionellen Karriere als Vorstandsmitglied eines Unternehmens erzielt werden.

Dem steht allerdings noch das deutsche Mitbestimmungsmodell entgegen – was sich so schnell wohl auch nicht ändern lässt: Arbeitnehmervertreter machen mit einem Anteil von 44 Prozent einen im europäischen Vergleich einzigartig hohen Anteil an Mandatsträgern aus.

Die Top-Räte

An der Spitze: Mit sechs Mandaten ist Manfred Schneider, ehemals Chef des Leverkusens Chemiekonzerns Bayer, in den Aufsichtsräten der deutschen Dax-Unternehmen vertreten. Dafür erhält er eine Gesamtvergütung von 1 054 717 Euro. Noch mehr Geld erhalten Gerhard Cromme mit 1 168 051 Euro und Ulrich Hartmann mit 1 101 317 Euro für ihre fünf Posten.

Geld für die Stiftung: Einzige Frau unter den Top 20 ist Heidrun Förster, die als Arbeitnehmervertreterin und stellv. AR-Vorsitzende bei der Deutschen Bank 538 750 Euro bekommt. Allerdings wird sie das meiste davon an die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung weitergeben. Die Stiftung erhält ohnehin von den 28 Mill. Euro für die Arbeitnehmervertreter den größten Teil.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%