Mehr Gehalt
Bitte zahlen!

Traumzeiten für Arbeitnehmer: Die Wirtschaft boomt, überall entstehen neue Jobs, gleichzeitig werden die Fachkräfte knapp. Die ideale Zeit, um beim Gehalt mehr herauszuholen: Bis zu 20 Prozent Plus sind drin. Wer die Gewinner des Jobaufschwungs sind – und wie auch Sie davon profitieren.
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Sie ist schon da, wo andere vielleicht nie hinkommen. Katrin Gaßner lacht verschmitzt – und untertreibt besonnen: „Es ist angenehm, sich keine Sorgen mehr machen zu müssen, wie man seine Rechnungen bezahlt“, sagt die 30-jährige Juristin. Noch vor einem Jahr musste sie als Rechtsreferendarin mit 900 Euro im Monat auskommen. Jetzt ist sie Jung-Anwältin bei Freshfields Bruckhaus Deringer – und verdient das Zehnfache. Die internationale Wirtschaftskanzlei zahlt Einsteigern bis zu 95 000 Euro Bruttojahresgehalt. Rasante Steigerungsraten inklusive.

Die Düsseldorferin hätte auch bei einem Wettbewerber anheuern können. Clifford Chance in Köln, wo sie während ihrer Promotion jobbte, bot ihr sogar noch mehr. „Doch 10 000 Euro zusätzlich im Jahr spielten bei der Entscheidung keine Rolle“, sagt Gaßner. Wichtiger war ihr, dass es bei Freshfields Kollegen gibt, „mit denen man auch mal ein Bier trinken kann“.

Wie die Zeiten sich ändern. Vor zwei Jahren noch galten Mitarbeiter als Kostenstellen – zu teuer im globalen Vergleich, zu alt und unflexibel. Vorbei. Auf dem Arbeitsmarkt haben gute Leute inzwischen wieder die Wahl. Mehr noch: Sie werden nicht nur umgarnt – um sie wird gekämpft. Mit allen Mitteln: Durch die Bank verzeichnen Personalberatungen einen Anstieg der Suchaufträge um durchschnittlich 20 Prozent, einige kommen gar auf ein Plus von 35 Prozent. Das ist das Ergebnis einer exklusiven Wirtschaftswoche-Umfrage unter den zehn größten Personalberatungen, darunter Delta Management Counsultants, Egon Zehnder International, Heidrick & Struggles, Kienbaum und Ray & Berndtson. Zwar ist der Arbeitsmarkt bereits im vergangenen Jahr leicht in Bewegung geraten. Doch die Entwicklung dieses Jahr toppt alles.

Mit rund 3,7 Millionen waren im Juli 670 000 weniger Menschen in Deutschland ohne Arbeit als vor einem Jahr – der niedrigste Juli-Wert seit zwölf Jahren. Rund 23 Prozent der Unternehmen wollen in den kommenden zwölf Monaten neue Stellen schaffen, in nahezu sämtlichen Branchen soll zusätzliches Personal eingestellt werden, ergab kürzlich eine Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) unter mehr als 20 000 Unternehmen.

Von dem Jobboom profitieren Juristen ebenso wie Wirtschaftswissenschaftler, Naturwissenschaftler und Ingenieure. Allesamt stehen sie ganz oben auf dem Wunschzettel von Unternehmensberatungen, Banken und Industrieunternehmen. Der Energieriese Eon zum Beispiel will bis zu 4 000 neue Jobs mit Ingenieuren, Kaufleuten und Juristen besetzen, die Wirtschaftsprüfung KPMG möchte 1 300 Hochschulabsolventen einstellen, die Strategieberatung McKinsey sucht händeringend 250 neue Berater, Bosch bemüht sich um 600 zusätzliche Ingenieure, Siemens um rund 2 000, und bei Daimler-Chrysler fehlen 400 technische Forscher und Entwickler. Und auch Online-Stellenbörsen wie Stepstone melden bei den Offerten für Akademiker gigantische Zuwächse von 75 Prozent. Schon sprechen Marktbeobachter von „Jobrekord“ und „Jobwunder“.

Was die einen jubeln lässt, verursacht in den Unternehmen jede Menge Probleme. Deren Auftragsbücher sind rappelvoll, die Wachstumschancen enorm – nur leider gehen ihnen die versierten Mitarbeiter aus. Das Gros der Stellenofferten verhallt ungehört, in den Personalabteilungen herrscht Mangelwirtschaft statt Wirtschaftswunder. Überall fehlen Fach- und Führungskräfte.

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