"Mehr Konformität und höhere Durchlässigkeit"
Vom Briefträger zur "KEP-Fachkraft"

Aus der Christel von der Post wird eine „Fachkraft für den Transport kleinteiliger und zeitkritischer Sendungen“. Briefträger und Paketbote gehören nicht mehr zu den Ausbildungsberufen der Deutschen Post. Demnächst klingelt nicht mehr der Postmann, sondern die „KEP-Fachkraft“.

Abgerechnet wird auch nicht mehr von Postverkehrskaufleuten, sondern vom „KEP-Kaufmann“. Was wie ein Marketing-Gag der Post klingt, die sich weltweit nur noch DHL nennt, ist eine kleine Revolution in der Kurier-, Express- und Paket- (KEP-)-Branche: Künftig gibt es für alle Unternehmen einheitliche Ausbildungsberufe – das Monopol der Deutschen Post ist auch im Ausbildungsbereich gebrochen. Private Briefdienste haben bereits Ausbildungsplätze in Aussicht gestellt.

Ob damit aber gleich die klassische Karriere vom Tellerwäscher zum Millionär leichter fällt, bleibt dann doch fraglich. Nicht so für Verdi-Vorstandsmitglied Rolf Büttner: „Jeder soll die Chance haben, als Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen seine berufliche Laufbahn zu starten und als Vorstandsvorsitzender des Konzerns zu beenden“, freut er sich über mehr Konformität und höhere Durchlässigkeit. Dabei ist ihm wohl sein Dauer-Verhandlungspartner Walter Scheurle, der Personalvorstand der Post, im Traum erschienen. Scheurle startete nämlich seine Laufbahn als Jungbote und arbeitete sich über den zweiten Bildungsweg bis in den Vorstand des gelben Riesen vor. Wohl eher untypisch für den Bonner Konzern, in dem heute der Yuppie-Manager mit gegeltem Haar und Designer-Anzug das Bild bestimmt.

Mit Vorstandschef Klaus Zumwinkel steht außerdem ein ehemaliger Mc-Kinsey-Berater und Quelle-Manager an der Spitze der Post, der die Niederungen des Post-Alltags wohl nur gelegentlich im Konferenzraum vorgetragen bekommt. Gleiches gilt für Scheurles Vorstands-Kollegen – fast alle haben eine Vergangenheit bei McKinsey oder Quelle, keiner war einmal Briefträger oder Paketbote. Einer ist sogar promovierter Neurobiologe. Spötter meinen: Wohl auch besser so. Denn die alte Bundespost mutierte unter Zumwinkel zum größten Logistikkonzern der Welt.

Die neue Begrifflichkeit – der Briefträger trägt schließlich auch künftig Briefe aus – hat eine Geschichte. Private Briefdienste, wie die Berliner Pin AG, versuchen seit einigen Jahren, einen geeigneten Ausbildungsberuf anzubieten. Dies scheiterte laut Pin daran, dass der von der Post angebotene Ausbildungsgang „Fachkraft für Brief- und Frachtverkehr“ einseitig auf die Belange der Post zugeschnitten war und Veränderungen durch die „starre Haltung der Post“ unmöglich waren. Erst ein Machtwort von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement habe die Blockade der Post durchbrochen. Er brachte 2003 die zweijährige Ausbildung zur KEP-Fachkraft auf den gesetzlichen Weg.

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