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Zu wenige Deutsche bilden sich weiter

Auf dem IT-Gipfel hat die Kanzlerin der Wirtschaft unlängst höchstselbst die Leviten gelesen. Die Unternehmen lösten ihre wachsenden Personalprobleme am besten durch Weiterbildung, sagte Angela Merkel. Damit traf die CDU-Chefin einen heiklen Punkt.

BERLIN. Weiterbildung ist eine „große Schwachstelle“ Deutschlands, klagt auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). In Kombination mit dem fehlenden Nachwuchs der Deutschen wirkt dies umso verheerender.

Der von Schavan berufene Innovationskreis Weiterbildung will daher mit „massiv verstärkten individuellen Anreizen“ dafür sorgen, dass bis 2015 wenigstens jeder zweite Erwachsene an einer Weiterbildung pro Jahr teilnimmt. Das geht aus dem Entwurf für die Empfehlungen des Kreises hervor, der im Januar vorgestellt wird und dem Handelsblatt vorliegt.

Nach der jüngsten Untersuchung des Forschungsministeriums haben sich 2006 in Deutschland nur 43 Prozent der 25- bis 64-Jährigen in den vorangegangenen zwölf Monaten weitergebildet. Damit ist die Quote gegenüber 2003 zwar um zwei Prozentpunkte gestiegen – in der EU liegt Deutschland dennoch auf einem hinteren Platz. Skandinavier und Österreich kommten auf Werte von 70 bis 90 Prozent.

Generell gilt: Je besser jemand ausgebildet ist, desto eher bildet er sich weiter. Die niedrige deutsche Quote bei den Geringqualifizierten von 28 Prozent soll daher auf mindestens 40 steigen, empfiehlt der Innovationskreis. Generell müssten auch Migranten und Ältere viel stärker für Weiterbildung motiviert werden – ebenso wie kleine und mittlere Unternehmen (KMU), so der Innovationskreis. Denn anders als Großunternehmen biete ein Großteil der KMU, die immerhin vier Fünftel der Arbeitskräfte in Deutschland beschäftigen, keine Weiterbildung an.

Das bestätigt eine neue Studie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI): Trotz rund 25 000 fehlender Ingenieure sind die Ausgaben für Weiterbildung und Personalentwicklung in den letzten Jahren nicht gestiegen. „Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen überlassen die Personalentwicklung größtenteils dem Zufall“, sagt VDI-Direktor Willi Fuchs. „Dabei leiden diese Unternehmen besonders unter dem Fachkräftemangel.“ Das Potenzial der eigenen Leute werde aber nicht richtig eingeschätzt und vor allem nicht richtig gefordert. Die wenigen angebotenen Weiterbildungen gingen zudem oft am Bedarf vorbei.

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