Michael Kliemt
„Ein Teil des Gewinns für den Anwalt“

„Viele Kanzleien vereinbaren mit ihren Mandanten schon heute Erfolgshonorare“, sagt Michael Kliemt. Der Düsseldorfer Anwalt lehrt Arbeitsrecht an der Universität Saarbrücken. Im Interview spricht er über die Prozessfinanzierer und das neue Bewusstsein im Umgang mit erfolgsabhängiger Bezahlung.

Handelsblatt:Professor Kliemt, Sie befürworten schon länger Erfolgshonorare für Rechtsanwälte. Jetzt hat auch das Bundesverfassungsgericht beschlossen, dass Erfolgshonorare in Deutschland erlaubt sein müssen. Der Gesetzgeber muss bis Juli 2008 eine neue Regelung treffen. Was gilt bis dahin?

Michael Kliemt: Nach dem Gesetz sind Erfolgshonorare verboten, aber die Praxis ist schon heute eine ganz andere. Viele Kanzleien – gerade bei den Wirtschaftskanzleien – vereinbaren mit ihren Mandanten schon heute Erfolgshonorare. Sind die Mandanten später mit dem Ergebnis glücklich, zahlen sie gerne. Alle sind zufrieden: Wo kein Kläger, da kein Richter.

Wo werden Erfolgshonorare besonders oft vereinbart?

Zum Beispiel bei Unternehmenskäufen, wenn Unternehmen sich von ihren Managern trennen, wenn Unternehmen ihre eigenen Manager in die Haftung nehmen für Schäden oder auch bei Erbstreitigkeiten. Kurz: Überall da, wo es um viel Geld und einen messbaren Erfolg geht. So ähnlich funktioniert ja auch schon das Geschäftsmodell der Prozessfinanzierer wie Foris AG oder die Allianz-Tochter Allianz-Prozess GmbH. Sie bezahlen Prozesse – Gerichtskosten und Anwaltsgebühren –, die sie für aussichtsreich halten, und bekommen am Ende einen Teil des Gewinns ihres Kunden. Die Faustregel ist, je höher der Streitwert, desto niedriger die Erfolgsbeteiligung. Sie beträgt bis zu 30 Prozent.

Fragen Ihre Mandanten auch von selbst, ob sie ein Erfolgshonorar vereinbaren können?

Ja, immer häufiger. Insbesondere nachdem die Presse jetzt über den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts berichtet hat. Unternehmenskunden schauen schon seit einigen Jahren stärker auf ihre Kosten und somit auch auf die Anwaltshonorare. Sie beweisen Kreativität, etwa indem sie besondere Boni – Mark-ups – für erfolgreiche Geschäftsabschlüsse anbieten. Das Volumen der Prozesse, die unterbleiben, weil dem Kläger das Geld fehlt, macht immerhin zwei bis sechs Milliarden Euro im Jahr aus.

Wann profitieren Mandanten am meisten von Erfolgshonoraren?

Mittelständler und Privatleute schrecken die hohen Stundenhonorare der Spezialisten oft ab. Zu den eigenen Kosten kommen im Falle der Niederlage ja auch noch die Kosten der Gegenseite. Von einem Erfolgshonorar versprechen sie sich, dass sich ihr Anwalt stärker für sie einsetzt. Bei Stundenhonoraren hat der Mandant mitunter Angst, dass Ineffizienz belohnt wird. Sinnvoll ist aus Mandantensicht eine Kombination aus einem Stundenhonorar als Basis plus Erfolgsbeteiligung. Das Paradebeispiel für Erfolgshonorare ist der Unternehmenskauf. Dabei investieren viele Interessenten Zeit und Mühe, um das ganze Unternehmen zu durchleuchten – die Due Diligence. Heerscharen von Anwälten fallen im Unternehmen ein, doch nur ein Interessent bekommt am Ende den Zuschlag. Wo der Deal zu Stande kommt, fällt das Honorar großzügiger aus. Die anderen erwarten, dass der Anwalt die Rechnung reduziert. Tut er es nicht, riskiert er, beim nächsten Mal nicht mehr beauftragt zu werden.

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