Midcareer-Crisis
Das kann nicht alles gewesen sein

Erfolgreich, aber unglücklich im Job: Diese Midcareer-Crisis trifft gerade besonders erfolgreiche Manager. Typische Symptome sind Konzentrationsschwierigkeiten beim Erreichen eines Ziels und Kraftlosigkeit

DÜSSELDORF. Sie sitzen im Flieger nach Asien, in der morgendlichen Konferenz oder beim Dinner mit wichtigen Geschäftskunden, und plötzlich kommt wieder diese Frage: „Was mache ich eigentlich hier?“ Und auf diese Frage folgt die nächste: „Was rege ich mich eigentlich auf?“ Im Job läuft alles rund, mein Aufstieg ist beachtlich, ich verdiene gutes Geld, bin erfolgreich – aber leider unglücklich.

Willkommen im Club. Sie stecken mitten in einer kritischen, aber ganz normalen Karrierephase, die amerikanische Psychologen Midcareer-Crisis nennen. „Im Unterschied zur Midlife-Crisis kann sie schon 30-Jährige erfassen, nur fünf Wochen dauern, aber auch fünf Jahre“, beschreibt Jean Hollands, Karrierecoach und Gründerin des Growth & Leadership Centers in Silicon Valley, die plötzlichen Attacken von Selbstzweifeln, Trauer- und Panikzuständen. Diese überfallen vor allem besonders leistungsfähige und auch leistungsbereite Manager. Typische Symptome sind Konzentrationsschwierigkeiten beim Erreichen eines Ziels, Kraftlosigkeit und das unterschwellig bohrende Gefühl: Das kann doch beruflich nicht alles gewesen sein.

„Betroffene können in eine handfeste persönliche Krise hineinschlittern, an deren Ende nur noch eins hilft: eine berufliche und persönliche Neubestimmung“, betont Brigitte Scheidt, Diplompsychologin aus Berlin und Autorin des Ratgebers „Neue Wege im Berufsleben“ (W. Bertelsmann Verlag, 14,90 Euro). Da ist der 38-jährige Anwalt einer führenden Wirtschaftskanzlei, der seit Jahren für seine Mandanten Höchstsummen erstreitet, sich dabei aber jedes Mal verbiegen muss. Als ausgleichender Charakter träumt er davon, zwischen streitenden Parteien zu vermitteln und einvernehmliche Lösungen zu erreichen. Heute nutzt er sein juristisches Know-how als Geschäftsführer eines Verbandes.

Oder da ist die 41-jährige Leiterin einer öffentlichen Beratungsstelle, deren Budget die Stadt immer weiter zusammenstrich. „Erst als sie anerkannte, dass dort nichts mehr zu bewegen war, konnte sie loslassen. Zudem fand sie heraus, dass ihr beruflicher Antrieb in ihrer persönlichen Gestaltungsfreiheit wurzelte. Als sie das begriffen hatte, konnte sie sich für neue berufliche Perspektiven öffnen“, so Scheidt. Heute arbeitet sie als Konfliktberaterin für Unternehmen.

Und weiter: „Eine berufliche Neuorientierung ist ein aufregender, oft schwieriger, keineswegs linearer Prozess, bei dem die ganze Person gefordert ist.“ Vergleichbar anderen kritischen Lebensereignissen wie Heirat, Geburt oder Tod eines Angehörigen. Nur: „Bei Hochzeit oder Geburt kann jeder auf millionenfache Erfahrungen anderer zurückgreifen. Das Finden einer neuen beruflichen Identität läuft aber höchst individuell ab. Familie und Freunde können nur begrenzt helfen“, so Scheidt.

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