Mit Harry Potter die Schulbank drücken

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Mit Harry Potter die Schulbank drücken

Bring dein Pferd umsonst“, ermuntert die Internatsschule Queen Ethelburga bei York junge Reiter und Reiterinnen. Auch wenn man das Kleingedruckte studieren sollte, das Prinzip ist klar: Im breiten Angebot englischer Internatsschulen findet jeder, was er braucht.

HB LONDON. Ob Legastheniker, Buben mit Sängerstimmen, höhere Töchter, Rugbyspieler, Wissenschaftsgenies, außer Kontrolle geratene Teenager oder angehende Turnierreiter – es gilt das Motto „Horses for courses“. Jedem Kind die Schule, die ihm auf den Leib geschnitten ist.

So haben sich Englands Internate auch die Bedürfnisse deutscher Schüler zu Herzen genommen. „Ich könnte meine Oberstufe viermal mit Deutschen füllen“, berichtet Robert Guthrie, Leiter des staatlichen (und deshalb preislich besonders günstigen) Hockerill Anglo-European College in Hertfordshire.

Deutsche kommen, um ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen – und wegen der englischen Internatsatmosphäre. „Sie klagen oft, dass diejenigen, die lernen wollen, in ihren Schulen marginalisiert werden. Das ist im Internat anders. Und Internatslehrer sind auch nach der Schulstunde noch für die Schüler das“, erzählt Guthrie. Laut dem Interessenverband der Privatinternate, der Boarding School Association (BSA), haben die meisten der 500 britischen Internate Schüler aus Deutschland. In Hockerill streben sie das von deutschen Unis anerkannte Internationale Baccalaureate an. „Andere machen ganz gezielt englische A-Levels, um an englischen Universitäten weiter zu studieren“, berichtet Adrian Underwood von der BSA.

2004 traten nach der Survey des Independent Schools Council 878 deutsche Jugendliche neu in englische Internate ein. Nach Chinesen, meist aus Hongkong, stellen sie mit elf Prozent die zweitgrößte Gruppe unter den schätzungsweise 17 000 ausländischen Internatsschülern. 70 Prozent von ihnen gehen dann an eine britische Universität.

Außer gutem Englisch sollen diese Bildungsauswanderer auch selbstbewusstes Auftreten und die sozialen Umgangsformen lernen, die das Gütesiegel einer englischen Privaterziehung sind. „Auslandserfahrung, das Leben in einer anderen Kultur, das Interesse am Studium an einer englischen Universität und an einer englischen Qualifikation“ sind Gründe, die Underwood hervorhebt.

Schulen wie Hockerill sind auf Ausländer geradezu spezialisiert. Auch beim Queen Ethelburga College achtet man auf den richtigen Mix: „Es dürfen nicht so viele sein, dass der englische Charakter der Schule beeinträchtigt und der Sinn, an einer englischen Schule zu sein, untergraben wird. Aber es sollten, auch nicht so wenige sein, dass sich das Kind isoliert fühlt“, erklärt die Schule auf ihrer Homepage.

Manche Eltern mögen Harry-Potter-Fantasien haben, wenn sie ihre Kinder an englische Schulen schicken und an verwinkelte Schlösser, grüne Cricket- oder gar Quidditch Rasen denken. Das ist auch gar nicht falsch: Nicht nur Traditionsschulen wie Stowe, Marlborough, Rugby oder Ampleforth – auch Hockerill kann Kreuzgang und herrschaftlichen Park aufweisen.

Trotzdem präsentieren sich englische Internatsschulen als „moderne, attraktive Erziehungsalternative“. Es zählen „Offenheit und Transparenz“, so Underwood, und die fast immer exzellente Ausstattung. In 2004 lagen allein die Kapitalinvestitionen der Privatschulen bei fast 1 600 Euro pro Schüler. Dafür kostete ein Jahr Boarding durchschnittlich 27 500 Euro. Topschulen liegen noch einiges darüber.

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