Mit schwindendem Vertrauen zu öffentlichen Schulen wächst die Nachfrage nach Plätzen an Privatschulen: Eltern suchen optimale Lernbedingungen

Mit schwindendem Vertrauen zu öffentlichen Schulen wächst die Nachfrage nach Plätzen an Privatschulen
Eltern suchen optimale Lernbedingungen

Privatschule – das hört sich nach einer Bildungsanstalt für höhere Töchter und Elite-Söhne an. Wenngleich die Schulen in freier Trägerschaft – so die offizielle Bezeichnung – dieses Image nicht unbedingt lieben, so profitieren sie doch davon. „Privatschulen stellen in vielen Ländern eine attraktive Alternative für Eltern dar, die bestrebt sind, ihren Kindern größtmögliche Vorteile zu bieten“, sagt Andreas Schleicher, Pisa-Koordinator und Leiter der Abteilung Indikatoren und Analysen im OECD-Bildungsdirektorat.

HB DÜSSELDORF. Gerade die Pisa-Studien scheinen die Vermutung der Eltern zu belegen, dass eine private besser als eine öffentliche Schule sei. Und tatsächlich liegen im Durchschnitt die Mathematik-Ergebnisse bei Schülern von Privatschulen in zehn OECD-Ländern und drei Partnerländern über denen der Schüler öffentlicher Schulen. Einzig in Japan, Luxemburg und Indonesien schneiden die öffentlichen Schulen besser ab.

Das heißt allerdings nicht, dass die Privaten unbedingt die besseren Unterrichtsmethoden hätten. Werden die Pisa-Ergebnisse nämlich bereinigt um den familiären und sozioökonomischen Hintergrund der Schüler, so schneiden die Privatschulen nicht besser ab als die öffentlichen. Das heißt: Wesentlich mehr Kinder besuchen eine Privatschule, die auf Grund ihrer familiären Voraussetzungen sowieso einen guten Abschluss gemacht hätten.

Genau dieser Effekt kann aber auch von den Eltern gewünscht sein. „Für die Eltern gibt es viele Gründe für eine Privatschule, einschließlich die des sozioökonomischen Hintergrunds der Mitschüler“, betont Andreas Schleicher. „Der Vorteil der Privatschulen ist ganz einfach ihr klares Wertegefüge. Denn sie müssen sagen, wofür sie stehen“, unterstreicht auch Bernhard Marohn vom Bundesverband Deutscher Privatschulen.

Das deutsche Privatschulsystem ist gut ausgebaut. Ob sportlich oder musisch talentierte Kinder, ob hochbegabte oder besonders religiös lebende – die Alternativen zur öffentlichen Schule sollen jedem Kind offen stehen. So sieht es das Grundgesetz vor. Deshalb gab es im Jahr 2003 2 592 Privatschulen, darunter 1 822 berufsbildende Schulen. Die größte Gruppe sind die religiösen Schulen, unter denen wiederum den Löwenanteil die katholischen Einrichtungen stellen, gefolgt von den evangelischen. Aber auch jüdische und islamistische Schulen gehören dazu.

Um eine alternative Pädagogik geht es in den rund 200 Waldorfschulen und 400 Montessori-Schulen in Deutschland. Gerade letztere erleben zur Zeit einen wahren Boom. In den vergangenen fünf Jahren sind jährlich rund zehn Montessori-Schulen neu eröffnet worden.

„Wir erleben zur Zeit eine wachsende Nachfrage“, betont der Geschäftsführer des Bundes der Freien Waldorfschulen, Walter Hiller. Pisa habe die Eltern sensibilisiert für Alternativen zum öffentlichen Schulsystem. Dabei sehen sich die Waldorf-Pädagogen im Trend der Zeit. „Bei uns gibt es die zwölfjährige Einheitsschule seit Jahrzehnten, und sie ist eine zentrale Basis unseres Erfolges“, sagt Hiller. Waldorf-Schulen seien offen für jeden, der sich für diese Pädagogik interessiere. Allerdings müssten „Eltern und Lehrer sich damit identifizieren und im Alltagsleben Vorbild sein“, erläutert Hiller.

Offen für jeden sind Privatschulen im Prinzip sowieso. Und nach dem Privatschulfinanzierungsgesetz müssen die Bundesländer die Privaten finanziell unterstützen. Das gilt jedenfalls für den Vormittagsunterricht. Für die Nachmittagsbetreuung sorgt der Staat jedoch nicht, weshalb diesen die Eltern allein finanzieren müssen.

Schulgeld scheint die Eltern indes nicht abzuschrecken. „Die Nachfrage nach Plätzen an den Privatschulen kann in der Regel nicht befriedigt werden“, sagt Marohn. Viele Eltern, deren Kinder auf einer Montessori-Warteliste stehen, können das bestätigen.

Seite 1:

Eltern suchen optimale Lernbedingungen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%