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Mitarbeiterweiterbildung: Zeit für eine Bildungsoffensive

Wenn die Weiterbildungsberater der Bundesagentur für Arbeit in den vergangenen zwei Jahren bei kleinen und mittelständischen Unternehmen anklopften, um die Finanzspritzen des Staates für die Mitarbeiterweiterbildung zu offerieren, erhielten sie oft nur ein müdes Lächeln. Heute, in Zeiten der Krise, nutzen kleine und mittlere Firmen vermehrt die angebotenen Förderprogramme.

In der Krise bilden sich viele Mitarbeiter von kleinen und mittleren Firmen weiter. Quelle: mauritius images
In der Krise bilden sich viele Mitarbeiter von kleinen und mittleren Firmen weiter. Quelle: mauritius images

DÜSSELDORF. „Sehr schön, aber nein danke! Unsere Auftragsbücher sind gut gefüllt, wir können derzeit niemanden für eine Weiterbildung entbehren. Keine Zeit.“ 2009, ein Jahr später, haben viele Unternehmen mehr freie Zeit, als ihnen lieb ist.

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Rund 1,4 Millionen Arbeitnehmer befinden sich derzeit in Kurzarbeit. Einer von ihnen ist Hans-Peter Mikschl, kaufmännischer Leiter beim Ulmer Baumaschinenmittelständler Reich. Doch statt daheim den Ablauf der dreimonatigen Zwangspause abzusitzen, paukt Mikschl beim Sprachkursspezialisten Berlitz englische Vokabeln.

„Die Firma und ich hatten immer schon mal geplant, dass ich mein Wirtschaftsenglisch intensiviere, aber es hat immer an der Zeit gefehlt. Wer hat schon die Kapazitäten, jemanden drei Monate lang für so etwas freizustellen“, berichtet Mikschl. Als Reich sich im Frühjahr zur Kurzarbeit entschloss, wollte die Firma das Beste aus der Situation machen und beantragte für den Kurs über die Arbeitsagentur Fördermittel aus dem europäischen Sozialfonds. Dieser steht seit Jahresanfang auch Beziehern von konjunkturellem Kurzarbeitergeld offen und sponsert qualifizierten Mitarbeitern in Unternehmen aller Größenklassen bis zu 80 Prozent der Lehrgangskosten. Weiterbildungen geringqualifizierter Arbeitnehmer in Kurzarbeit werden ähnlich, aber aus anderen Töpfen finanziert. Hans-Peter Mikschl ist hochzufrieden: „So kann ich die Monate der Kurzarbeit sinnvoll nutzen.“



Positive Erfahrungen mit staatlich unterstützter Mitarbeiterschulung macht auch Jürgen Fuggenthaler, kaufmännischer Leiter bei Badenia Bettcomfort. Seit Herbst 2008 lässt er regelmäßig Teile seiner Belegschaft bei der Business Akademie Hallertau für Führungsaufgaben trainieren. „Wir haben im Unternehmen umorganisiert und neue Teamstrukturen eingeführt. Für deren Führung benötigen zahlreiche Mitarbeiter ganz andere Skills als bisher“, erklärt Fuggenthaler den erhöhten Weiterbildungsbedarf.

25 Mitarbeiter hat der badische Mittelständler für Bettwaren derzeit abwechselnd in Schulung. Er nutzt für die mehrere Tausend Euro teuren Seminarpakete die finanzielle Unterstützung des sogenannten „WeGebAU-Programms“. Dieses übernimmt für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei Kursen für geringqualifizierte oder ältere Arbeitnehmer ab 45 die Lehrgangskosten und je nach Konstellation auch einen Zuschuss zum Lohn – egal, ob Kurzarbeit angesagt ist oder nicht. Das Antragsverfahren bei der ortsansässigen Arbeitsagentur sei, so Fuggenthaler, vergleichsweise unaufwendig.