Moderate Gehaltszuwächse – Kritik an Kienbaum-Studie
Versicherungs-Manager verdienen auch in der Krise

Die Versicherungsbranche steckt in einer Krise – trotzdem sind die Gehälter der Führungskräfte in der Assekuranz-Wirtschaft zwischen Mai 2002 und Mai 2003 um 3,1 Prozent gewachsen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Kienbaum Management Consultants GmbH. Wie hoch die Gehaltssteigerungen der Versicherungs-Manager im Einzelfall ausfiel, hing hauptsächlich vom aktuellen Erfolg ihres Unternehmens ab, stellte Kienbaum fest.

DÜSSELDORF. Führungskräfte in Konzernen mit überdurchschnittlicher Ertragslage konnten laut Studie mit rund 3,6 Prozent mehr Lohn rechnen. Dagegen lag die Gehaltssteigerung in Unternehmen mit unterdurchschnittlicher Performanz bei nur 2,8 Prozent.

Vor allem IT-Gesamtleiter können sich im Moment über kräftige Gehaltserhöhungen freuen, wie die Studie ergab. Sie verdienen mit durchschnittlich 122 000 Euro im Jahr unter den Führungskräften in der Versicherungsbranche am meisten. Auf Platz zwei rangieren Personalgesamtleiter mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 116 000 Euro.

Seit 1981 untersucht Kienbaum jährlich die Gehaltssteigerungen von Führungskräften in der Versicherungsbranche. „Die Gehälter der leitenden Angestellten sind regelmäßig gewachsen – auch in Zeiten der Krise“, sagt Arne Sievert, Projektleiter der Studie. Allerdings seien die Gehaltserhöhungen 2002 und 2003 nicht so üppig ausgefallen wie früher. Den Versicherungsunternehmen falle es angesichts des Kapitalverlustes der vergangenen Jahre zusehends schwerer, zu bestehen. „Das wirkt sich auch auf die Managergehälter aus“, sagt Sievert.

Trotzdem dürften die Gehälter der Führungskräfte in brenzligen Zeiten nicht in den Keller rutschen. „Unternehmen müssen guten Mitarbeitern Offerten bieten und die Attraktivität der Arbeitsstelle halten“, erklärt der Projektleiter von Kienbaum. Manager sind die Stütze einer Firma – das schlägt sich auch auf ihren Kontoauszügen nieder. Reiner Wolf, Sprecher für Personalthemen bei der Allianz AG, drückt das so aus: „Wer viel leistet, wird auch gut bezahlt.“ Die Allianz hat daher ein Bonussystem eingeführt.

Doch die Gesamtlage der Versicherungsbranche sieht im Moment nicht rosig aus, deshalb steigen die Löhne auch bei der Allianz nicht so rasant wie in guten Zeiten. „Unsere Manager haben in den vergangenen Monaten nur moderate Gehaltszuwächse zu verzeichnen gehabt“, erklärt Wolf.

Kritik an der Studie

Wer als Versicherungsmanager sein Gehalt einschätzen möchte, sollte sich dennoch nicht vollständig auf die Kienbaum-Studie verlassen: Die Allianz hat als Deutschlands größter Versicherungskonzern an der Untersuchung in diesem Jahr nicht teilgenommen und auch die Nummer zwei der Versicherungsbranche hat sich an der Studie nicht beteiligt: Die Münchener-Rück-Gruppe. Die beiden Riesen – Münchener-Rück und Allianz – stellen mit 223 100 Mitarbeitern weit mehr als die Hälfte der Angestellten der deutschen Versicherungs-Top-Ten. Die restlichen acht Unternehmen, vom HDI-Konzern bis zur DKV, beschäftigen zusammen nur rund 85 600 Mitarbeiter.

Insgesamt hatte Kienbaum 1820 Führungskräfte aus 55 Versicherungsgesellschaften befragt und ihre Angaben in der Studie zusammengefasst. Angeschrieben hatte der Unternehmensberater ursprünglich 450 Versicherer. Vor diesem Hintergrund üben Branchenkenner Kritik an Kienbaum. Zu ihnen gehört Klaus Leciejewski, Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmensberater aus Köln, der die nach seiner Ansicht niedrige Rücklaufquote bemängelt.

55 von insgesamt angeschriebenen 450 Versicherungsunternehmen haben geantwortet - eine Quote von etwa zwölf Prozent. Für den Wissenschaftler ist das ungenügend. Dagegen bewertet Kienbaum-Experte Sievert dieses Ergebnis als positiv: "Aus unserer Sicht ist das eine sehr gute Rücklaufquote, wir bewegen uns damit im oberen Drittel der deutschen Studien."

Leciejewski schätzt auch die Entwicklung der Gehälter führender Angestellter in der Versicherungsbranche anders ein als die Fachleute von Kienbaum: „Insgesamt stagnieren die Gehälter.“ Zwei bis drei Prozent Gehaltserhöhung pro Jahr seien durchaus normal und könnten nicht als Zuwachs gewertet werden. „Einen leichten Aufwärtstrend verzeichnen bei den Gehältern in der Versicherungsbranche momentan nur Führungskräfte im Vertrieb“, so beurteilt Klaus Leciejewski die aktuelle Lage.

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