Motivationsfaktor Auto
Wenn der Nachbar den Dienstwagen bestaunt

Unter Dienstwagen-Fahrern gilt Hans Michael Gaul als Exot. Der Eon-Vorstand schwört auf seinen VW-Bus – während man sich sonst in den oberen Unternehmensetagen statusträchtige Topmodelle von Daimler-Chrysler, BMW oder Audi gönnt. Doch egal, was auf der Motorhaube prangt: Mitarbeiter mit PS zu entlohnen, liegt wieder im Trend, sagen die Wirtschaftsprüfer Deloitte & Touche. Deloitte-Partner Dirk-Oliver Kaul: „Dienstwagen werden wieder stärker in die Entlohnungssysteme einbezogen.“

HB DÜSSELDORF. Vor zwei Jahren waren die Bestellungen von Firmenwagen durch Sparzwänge und durch die Diskussion um die Dienstwagenbesteuerung stark zurück gegangen. Im ersten Quartal dieses Jahres ist die Nachfrage im Flottengeschäft dagegen um 9,6 Prozent gestiegen. Das ermittelte das Marktforschungsunternehmen Dataforce, das auf die Beobachtung des Flottengeschäfts in Deutschland spezialisiert ist. Erklären lässt sich der erneute Trend zum Firmenwagen durch Motivations- und Steuervorteile. Firmenwagen sind gerade in Zeiten, in denen eisern gespart wird, immer öfter auch ein Thema für die Belegschaft außerhalb des Top-Managements und der zwangsläufig mobilen Vertriebsmannschaften.

„Das Auto ist in Deutschland Statussymbol Nummer Eins“, sagt Hans-Karl Holczer, Leiter Verkauf an Großkunden bei Audi. „Es hat eine psychologische Wirkung, wenn das Umfeld mitbekommt, das jemand mit einem tollen Auto nach Hause fährt.“ Das gilt vor allem, seit sich die Mitarbeiter in vielen Unternehmen Fahrzeugtyp und -farbe teilweise aussuchen können und keinen Standardwagen in Unternehmensfarbe nehmen müssen. Laut einer Untersuchung der Unternehmensberatung Kienbaum schreibt noch jedes zweite Unternehmen eine bestimmte Marke vor.

„Der Dienstwagen hat sich vom Funktionsfahrzeug zum Motivationsfahrzeug gewandelt“, urteilt Holczer von Audi. Er weiß: Die Mercedes-E- Klasse, der 5er-BMW oder der Audi A6 sind zwar vor allem den Alphatieren in den Unternehmen vorbehalten, während das Fußvolk den 3er-BMW oder den VW Passat fahren. Dennoch fühlt sich ein Drittel der Befragten dank Dienstwagen stärker motiviert. Die Hälfte aller Dienstwagenbenutzer ist zufriedener mit ihrer Arbeitsstelle, und bei einem Drittel führt ein Dienst-Pkw zu größerer Firmentreue.

Im Schnitt kostet ein Dienstwagen das Unternehmen zwischen 10 000 und 15 000 Euro pro Jahr. Arbeitnehmer und Arbeitgeber können aber oft durch die Gehaltserhöhung in PS Steuern und Sozialversicherungsabgaben sparen. Um die Vorteile dieser Konstruktion zu nutzen, wurden in den vergangenen Jahren Car-Sharing-Modelle entwickelt, bei denen sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer als Leasingnehmer auftreten. Sie gilt es allerdings vertraglich so auszutarieren, dass die Finanzämter nicht den Verdacht bekommen, dass es nur um Entlohnung durch die Hintertür geht. „Es kann Probleme bei der Betriebsprüfung geben, wenn der Arbeitgeber den Leasingvertrag eins zu eins an den Arbeitnehmer weiter gibt“, warnt Deloitte-Experte Kaul.

Neben Deloitte haben deshalb auch andere Beratungen das Thema Dienstwagen-Management auf der Agenda. Nur Kaul selbst hat sich von der neuen Liebe der Betriebswirte zum Automobil nicht anstecken lassen: Er fährt weiter mit seinem eigenen alten Wagen ins Büro.

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