Nach Kündigungswellen leiden verbliebene Mitarbeiter besonders unter psychischem Stress, fanden Forscher heraus
Die Burnout-Belegschaften

Lange ging es für Marketing-Manager Stefan Jacob* so steil bergauf wie mit der Softwarefirma, für die er seit fünf Jahren arbeitete. Selbst 70-Stun- den-Wochen kümmerten den 34-Jährigen wenig. „Die Arbeit hat Spaß gemacht, und ich wurde dafür von der Geschäftsleitung anerkannt“, erzählt er. Bis zu dem Tag, als die Zahlen nicht mehr stimmten und 50 Mitarbeitern betriebsbedingt gekündigt wurde. „Von dem Moment an lastete ein ungeheurer Druck auf mir“, berichtet Jacob. „Ich bekam immer mehr Aufgaben, mehr Verantwortung und weniger Anerkennung, was die Angst in mir weckte, ich könnte bald selbst dran sein.“

HB. Immer weniger fühlte sich der sonst so leistungsfähige Marketingmann seinem Beruf gewachsen. Immer häufiger meldete er sich krank. Und bald bescheinigten ihm auch die Ärzte, was er selbst längst wusste: „Der psychische und reale Stress haben mich aufgefressen

.“

Wie Jacob geht es vielen. In einer Langzeitstudie fanden finnische Forscher von der Universität in Tampere heraus, dass unter Kündigungswellen auch die im Betrieb verbliebenen Mitarbeiter erheblich leiden. Ihr Bericht wurde jetzt im British Medical Journal veröffentlicht.

Rund um die Massenentlassungen Anfang der neunziger Jahre haben die Wissenschaftler medizinische Berichte von 22 430 Verwaltungsangestellten ausgewertet. Ergebnis: Vor allem Angestellte mit unbefristeten Verträgen erkrankten im Zuge der betrieblichen Einschnitte. Bei ihnen verfünffachte sich das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden.

Seite 1:

Die Burnout-Belegschaften

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%