Nachgefragt: Klaus Nieding
„Zu hohe Gehälter gefährden das System“

Das Handelsblatt im Gespräch mit Klaus Nieding, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Handelsblatt: Halten Sie Gehälter, die den Vorständen deutscher Großbanken gezahlt werden, für angemessen?

Nieding: Ich halte grundsätzlich jedes Gehalt von Vorständen dann für angemessen, wenn es in Relation zum erreichten Unternehmenserfolg und der wirtschaftlichen Behandlung der Aktionäre sowie der Belegschaft steht. Gehälter dürften aber nicht höher ausfallen, wenn Umsatz und vor allem Ertrag aber unter Vorjahr oder gar im Minus liegen, den Aktionären die Dividende gekürzt oder entzogen wird und bei der Belegschaft Sozialleistungen, Weihnachtsgelder oder Betriebsrenten gestrichen werden. Solche Mis- stände belasten nicht nur unsere Aktienkultur und unseren sozialen Frieden, sondern gefährden vor allem die Akzeptanz unseres kapitalistisch fundierten Gesellschafts- und Wirtschaftssystems.

Die Gehälter der Bankchefs steigen schneller als die Gewinne: Ist das fair gegenüber Aktionären?

Es muss nicht unbedingt einen kongruenten Anstieg von Vorstandsgehältern und Ausschüttungen geben. Wo aber die Steigerung der Vorstandsgehälter ohne sachlich rechtfertigende Gründe überproportional ausfällt, muß in der Hauptversammlung nachgefasst werden.

Müssen Banken wirklich so viel zahlen, um die besten Leute anwerben zu können?

Dieses Argument hören wir oft. Ich frage dann gerne nach, wieviele Angebote zu einem dann noch höheren Gehalt das betreffende Vorstandsmitglied im Berichtsjahr erhalten hat. Die Antwort ist meist beredtes Schweigen. Manager, die ausschließlich die Gehaltshöhe als Entscheidungskriterium heranziehen, bei einer Aktiengesellschaft Vorstandsverantwortung zu übernehmen, halte ich nicht unbedingt für die geeignetsten. Im übrigen wollen viele Vorstände sich bei ihrer Gehaltshöhe gerne an den USA orientieren, wenn es aber um die Transparenz, insbesondere die individuelle Veröffentlichung von Gehältern geht, berufen sie sich auf den Datenschutz.

Klafft in Deutschland eine zu große Lücke zwischen den Großbanken und kleineren Instituten?

Nicht jedes Bankinstitut muss mit den Citigroups dieser Welt konkurrieren. Vielmehr bleibt so auch Spielraum für lukrative Marktnischen. Nehmen Sie das Beispiel der Postbank. Gleiches gilt in kleinerem Maßstab für die Volks- und Raiffeisenbanken, Sparkassen, aber auch für kleinere Privatbanken.

Die Fragen stellte Philipp Otto.

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