Nachgefragt: Laurenz Andrzejewski, 51, Managementtrainer in Usingen und spezialisiert auf Trennungen
„Der Chef darf nicht in Tränen ausbrechen"

Herr Andrzejewski, was ist der schlimmste Fall: Was darf beim Personalabbau nie passieren?

Andrzejewski: Trennungen müssen professionell gemanagt werden. Sonst wird das Projekt gefährdet, weil Mitarbeiter blockieren und die Arbeit niederlegen. Oder Widersprüche entstehen zwischen den handelnden Personen – Topmanagement, Personal, Betriebsrat. Oder Führungskräfte und Personalbetreuer nehmen selbst durch Missmanagement Schaden, überschreiten Zeitziele und es kommt zu Zielverfehlungen. Oder Kunden springen ab, negative Pressemeldungen sind zu lesen, Geschäftsgeheimnisse werden preis gegeben und Sabotage erfolgt. Schließlich gibt es auch noch formale Fehler, die vor dem Arbeitsgericht teuer werden können.

Worin besteht der professionelle Umgang beim Entlassen?

Die Verantwortlichen müssen aktiv die Verantwortung übernehmen, nicht halbherzig. Es kommt darauf an, persönliche Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Vorgesetzte, die beim Trennungsgespräch in Tränen ausbrechen, sind nicht hilfreich. Alle Rollen im Geschehen müssen eindeutig geklärt sein, Kongruenz soll hergestellt und eine verbindliche Terminologie festgelegt werden. Das Unternehmen äußert sich in abgestimmter Sprachregelung. Kritische Aspekte sollten aktiv und prospektiv thematisiert werden. Gegenüber Mitarbeitern sind Informationen mehrfach zu wiederholen, notfalls gebetsmühlenartig. Verliert einer die Nerven und beginnt zu brüllen, sollte man ihn eine Viertelstunde wüten lassen. Dann zu den Details übergehen, sie wieder und wieder erklären und nachhaken, ob die Botschaft auch angekommen ist.

Wie verläuft ein gutes Entlassungsgespräch?

Diskret, nach Möglichkeit im Chefzimmer – Heimvorteil – oder einem neutralen Raum. Kein Spießrutenlauf! In Ruhe, ohne Handy, Unterschriftenmappen oder Terminkalender. Die Frage, wer das Gespräch führt, hängt von der Konzeption der Trennungen ab. Gut ist die Tandemlösung: Kurzes Erstgespräch mit dem Chef, später ein Folgegespräch mit Personalbetreuung. Wünscht es der Mitarbeiter, wird er nach dem Trennungsgespräch für diesen Tag freigestellt. Wie lang das Gespräch ist, hängt ab von den Reaktionen. Der Betroffene muss aufgefangen und stabilisiert werden. Es darf aber nicht zu lange dauern, sonst drohen nutzlose Diskussionen über Leistungen, Auswahlkriterien und andere Mitarbeiter.

Empfiehlt es sich, das Entlassungsgespräch überfallartig zu führen oder lieber angekündigt werden?

Das kurzfristig terminierte Gespräch ist am besten. Es versetzt dem Betroffenen einen Schock, schützt aber vor zusätzliche Belastungen wie schlaflosen Nächten.

Was sind die Do's und Dont's eines Entlassungsgesprächs?

Die Do's: „Guten Tag, wir sind zusammen gekommen, um ein wichtiges Thema zu besprechen.“ - Gleich Im nächsten Satz muss die Entlassung kommen: „Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Sie Ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Das ist begründet in...“ Die andere Variante: „Wir müssen uns von Ihnen trennen. Mein Ziel ist, dies einvernehmlich zu tun. Die Gründe sind...“ Ganz wichtig ist: Immer mit Dank für geleistete Dienste, höflich im Ton und verbindlich. Die Dont's: Smalltalk oder Floskeln wie „Schön, dass Sie da sind“.

Und wie sollte der Abschied am besten ausfallen?

„Auf Wiedersehen“ oder „Ich höre dann spätestens am... von Ihnen“. Unbedingt vermeiden: „Danke, dass Sie da waren. Einen schönen Tag noch. Kopf hoch, es wird schon.“ Begrüßung und Abschied im Trennungsgespräch sind das Schwierigste. Denn es kommt zum Bruch, das ist ein Faktum. Harmonie ist nicht zu erwarten und es muss akzeptiert werden, dass man in unguter Stimmung auseinander geht. Die Führungskraft muss sich einen Schutzmantel zulegen, sollte aber nicht verpanzert sein.

Wer entlassen muss, erlebt auf der anderen Tischseite bewegende Gefühle: Erst Wut, Enttäuschung, Verbitterung, Verzweiflung, dann Trauer und Resignation. Wie kann sich die Führungskraft denn selbst wappnen?

Trennungen gehören zum Leben. Es kommt ausschließlich auf das Wie an. Die Professionelle Vorbereitung ist entscheidend. Kommt es zu Friktionen, sollte der Chef ganz still bleiben, notfalls auch minutenlang. Dann kann er auf die Auffanggesellschaft hinweisen oder auf Weiterqualifizierungsmöglichkeiten. Und auf die Abfindung. Danach empfiehlt es sich, gleich zum Abschied überzugehen. Es geht nicht anders, das sind die Regeln.

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