Nachweis vor Gericht schwer zu führen – Besonders anfällig für unfaire Attacken sind Doppel- oder Dreierspitzen
Mobbing unter Managern hat Konjunktur

Seit die Konjunktur in Deutschland nicht mehr rund läuft, werden auch die Führungskräfte hier zu Lande vermehrt Opfer unfairer Attacken. "Chairing" heißt diese neue Spielart des Mobbing, bei dem Führungskräfte von vorgesetzten oder ranggleichen Managern gezielt entmachtet werden.

GARMISCH. "Vor allem unfaire Attacken gegen Sandwich-Führungskräfte, die zwischen Vorstand und Basis stehen, haben Konjunktur", berichtet Norbert Copray, Direktor der Frankfurter Fairness-Stiftung, einer gemeinnützigen GmbH, die sich gegen alle Arten von Schikanen und diffamierende Attacken gegen Führungskräfte richtet.

Gemeinsam mit 26 Mitarbeitern hat Copray während der letzten vier Jahre über 8 000 Beratungsgespräche mit geschassten oder schwer angeschlagenen Managern geführt. "Viele leitende Angestellte", so Copray, "wissen nicht mehr, wo sie dran sind, weil die Unternehmensführung jede Woche eine neue strategische Sau durchs Dorf treibt".

Dass in den Führungsgremien deutscher Unternehmen Intrigen gesponnen werden, bestätigt auch Rechtsanwalt Jobst Bauer-Hubertus aus dem Stuttgarter Büro der Kanzlei Gleiss Lutz. "Führungskräfte werden gern versetzt, wenn niemand mehr mit ihnen zusammen arbeiten will. Doch häufig fehlt es bei denjenigen, die sich in der Folge auf Mobbing berufen, an eigener Wahrnehmungsrealität", so Bauer. Rein juristisch betrachtet gehe es allein darum, ob für die Versetzung, falls denn eine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag existiert, ein sachlicher Grund besteht. "Ob das Mobbing ist, interessiert mich nicht so sehr", gesteht Bauer ein.

Und das zu Recht. Denn dieses Wort hat sich in der Arbeitswelt geradezu inflationär ausgebreitet. Fast jede Maßnahme des Arbeitgebers von der Arbeitsanweisung über die Abmahnung bis hin zur Versetzung wird mittlerweile mit diesem Etikett belegt. Doch zwischen der umgangssprachlichen Verwendung des Wortes und seiner juristischen Bedeutung liegen Welten. "Die Kirschen für die Geltendmachung von Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüchen wegen Mobbings hängen hoch. Der Arbeitnehmer muss nämlich bei Gericht nachweisen, dass der Arbeitgeber ihn gezielt gemobbt hat", erklärt Anwalt Thomas Müller-Bonanni aus dem Düsseldorfer Büro der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. Und das bedeutet: Es muss sich um systematische Anfeindungen handeln, die mindestens über ein halbes Jahr andauern und entsprechende körperliche Symptome bei dem Gemobbten auslösen.

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