Nachwuchs gesucht
Gehälterkrieg um Top-Junganwälte

Die Zeiten, in denen Kanzleien ihre Nachwuchsprobleme mit Stellenanzeigen bewältigten, sind vorbei. Heutzutage müssen sich Spitzenkanzleien etwas einfallen lassen, um die Top-Kandidaten für sich zu gewinnen. Denn Bewerber mit glänzenden Examina sind hart umkämpft.

„Auf den Spuren eines Genies“ – der Titel der Caravaggio-Ausstellung im Düsseldorfer Kunstpalast schien der US-Kanzlei Shearman & Sterling als Motto gerade recht, um selbst juristische Überflieger aufzuspüren. Im Anschluss an Sektempfang und Exklusivführung können sich demnächst handverlesene Bewerber und Kanzleimitarbeiter bei Wein und Käse beruflich näher kommen. „Brain meets art“ ist nur ein ausgefallener Versuch von Kanzleien, Top-Kandidaten für sich zu gewinnen. Denn: „Die Zeiten der klassischen Stellenanzeige als Breitbandantibiotikum gegen Nachwuchsprobleme sind vorbei“, Rainer Wilke, Partner bei Shearman.

Spitzenkanzleien müssen sich etwas einfallen lassen, denn Bewerber mit glänzenden Examina sind rar und hart umkämpft. Ganz anders noch vor zwei Jahren, als kaum Partner ernannt wurden. In diesem Jahr sind immerhin 880 neue Stellen zu besetzen, hat das Juve-Karrieremagazin „Azur“ errechnet. „Der Markt hat sich in kürzester Zeit total gewandelt. Bei gleicher Zahl von Top-Absolventen suchen Unternehmen, Kanzleien und Spin-offs mit Hochdruck – denn deren Geschäfte brummen“, beobachtet Mathieu Klos, leitender „Azur“-Redakteur.

Was im Kampf um die Talente inzwischen immer mehr zählt, ist das Geld – obwohl die meisten Kanzleien schon immer fürstlich entlohnt haben. Vier Jahre lang aber hatte es fast keine Gehaltssteigerungen gegeben, weiß Klos. „In Bewerbungsgesprächen der letzten 18 Monate mussten wir feststellen, dass das Salär bei der Auswahl des Arbeitgebers sehr wohl einer der maßgeblichen Faktoren ist“, berichtet Wilke von Shearman.



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Im Mai eröffnete dann die Traditionskanzlei Hengeler Mueller den „Gehälterkrieg“, so Klos. Sie hob das maximale Jahresgrundgehalt für Einsteiger um 10 000 auf 90 000 Euro an. Gleiss Lutz und Freshfields, die lange im Gleichschritt marschiert waren, erhöhten bald darauf auf 95 000 Euro.

Die magische Schallmauer von 100 000 Euro Einstiegsgehalt für Associates durchbrach im Oktober als erster Shearman – eine satte Steigerung um fast 18 Prozent. „Wir haben dem Markt mit einem sechsstelligen Betrag ein Zeichen geben wollen“, begründet Wilke. Kurz darauf zogen Latham & Watkins, Milbank Tweed sowie Skadden Arps gleich. Laut „Azur“ liegt das Einstiegsgrundgehalt bei 40 Top-Kanzleien heute im Schnitt bei 84 800 Euro, ein Plus von 9,5 Prozent zum Vorjahr.

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